Archiv des Autors: Curtis Nike

Knock Out

08.07.2019

In den letzten Wochen ist viel passiert, über das ich hier gerne berichtet hätte. Sei es von Peti Songcatchers Besuch hier in Berlin, den sie nutzte um ein spontanes Mini-Konzert auf der Admiralsbrücke zu geben. Sei es über unser zauberhaftes Sonnenwendfest umgeben von blühenden Blumen, Kräutern, Fröschen und Schmetterlingen in einem magischen Garten. Allein: Mir fehlte die Kraft dazu. Schon zur Sonnenwende fühlte ich mich angeschlagen, aber das Fest mit Freunden und gutem Essen hat dies wieder wett gemacht. Es wurde gefeiert, gegrillt und viel gelacht, was ja bekanntlich gesund ist.

Bei Temperaturen bis zu 38 Grad im Schatten (und bis zu 27 Grad in der verdunkelten Wohnung) ist Unwohlsein bei mir kein Wunder, Hitze macht mir generell enorm zu schaffen. Dies führte dazu, dass ich insgesamt kürzer getreten bin. Wenig Zeit am Computer, viele Pausen viel trinken, keine anstrengenden sportlichen Übungen, Füße ins Wasser, viel Schlaf. Doch dies allein nutzte bedauerlicherweise nichts… Ende Juni musste ich leider völlig überraschend und nun doch ernsthaft erkrankt ins Krankenhaus, aus dem ich dieses Wochenende entlassen worden bin. Die letzten zwei Tage verbrachte ich mit Schlafen, Schlafen, Schlafen, wobei ich zwischendurch ein Schläfchen machte.

Einiges wird sich in meinem Leben weiter grundlegend verändern. Anderes hat bereits seine Schatten voraus geworfen: Schon im Mai habe ich in meinem Artikel ‚Gehirnvirus‚ angekündigt hier im Blog wesentlich kürzer zu treten. Dies ist eine kluge Entscheidung gewesen und es wird auch vorerst so bleiben. Leider führt dies dazu, dass ich angekündigte Projekte, wie das über ‚Magische Geschöpfe‚ einstellen muss. Aber seid euch sicher: Es wird sich nach wie vor lohnen hier am Ball zu bleiben. Und so hoffe ich nach wie vor, dass ihr mir gewogen bleibt!

Räucherungen klären die Luft.
Danke für dieses Foto an LiBella!

 

 

Die Lange Nacht der Religionen 2019

31. Mai 2019

Auch in diesem Jahr findet wieder die „Lange Nacht der Religionen“ in Berlin statt. Zu diesem Ereignis präsentieren sich religiöse Gruppierungen, die in Berlin aktiv sind, der Öffentlichkeit. Zum nunmehr fünften Mal werden auch die Paganen Wege und Gemeinschaften Berlin mit dabei sein. Unter diesem Schirm haben sich zahlreiche heidnische Gemeinschaften, Hexengruppen und magische Verbände zusammen gefunden und stellen sich mit einem breiten Programm der Öffentlichkeit vor. 

Am 15. Juni von 14.00 Uhr bis 22.00 Uhr sind interessierte Menschen eingeladen sich in das Familienzentrum ‚Menschenskinder‘ in der Fürstenwalder Str. 30 zu begeben. Hier wird man mit heidnischer Gastfreundschaft empfangen, es gibt die Möglichkeit an Ritualen Teil zu nehmen, Vorträgen zu lauschen oder sich in Workshops zu begeben. Das vielseitige Programm – welches ihr hier einsehen könnt – bietet in diesem Jahr auch erstmalig eine Ausstellung zum Thema ‚Jahreskreisfeste‘. Zudem präsentieren sich unterschiedliche Gruppen und Vereine an Ständen. Vorbei kommen lohnt sich also auf jeden Fall!

Der Stand der Zaunköniginnen auf der LNdR 2018

Hexen der Großstadt

28.05.2019

Gestern ist ein Buch erschienen, auf das ich schon seit langer Zeit gespannt warte. Und ich freue mich sehr darüber, dass es nun endlich erschienen ist und somit einem breiten Publikum zugänglich ist. Es geht um die Publikation „Hexen der Großstadt“ von Victoria Hegner.

Hexen in Berlin: Wo sind sie sichtbar? Wo unsichtbar? Aufnahme 2013

Als ich Dr. Victoria Hegner vor Jahr und Tag kennen lernte, war sie bereits mitten in ihrer intensiver Arbeit rund um Hexen in der Großstadt, genauer: rund um Hexen in Berlin. Und ich weiß noch genau, dass ich bei unserer ersten Begegnung recht zurückhaltend war, als sie ihr Projekt vor stellte. Sie plante Gespräche, Besuche und Interviews mit Menschen, die sich als Hexen bezeichnen. Langfristig gesehen hatte die Kulturanthropologin vor ein Buch über Hexen in der Großstadt zu verfassen. Dabei setzte sie ihren Fokus auf Berlin, da die Stadt als ‚Hochburg der Hexen‘ gilt. Hierfür suchte sie Möglichkeiten mit Hexen in Kontakt zu treten, an Ritualen Teil zu nehmen, Interviews zu führen und auch die Wohnungen und Kleidung von Hexen in Augenschein zu nehmen. Irgendwie landete sie dann auch bei mir. Dies ist nun so an die sieben Jahre her…

Obgleich zunächst zurückhaltend, so war ich doch zugleich sehr neugierig. Aus religionswissenschaftlicher Sicht war (und ist) Victorias Projekt für mich sehr spannend und nicht zuletzt durch ihre sympathische Art war ich bald von dem Projekt überzeugt. Ich sprang ins kalte Wasser, ließ mich auf Interviews und ausschweifende Berichte ein. Bald nutzte ich Victorias Forschungsprojekt schamlos dazu aus sie hemmungslos voll zu quatschen. Dies lies sie stoisch über sich ergehen und blieb stets am Ball. Dabei war sie bereit sich voll und ganz einzulassen, ohne dabei ihren Standpunkt zu verlieren. Sie nahm an Ritualen Teil, besuchte Hexenstammtische, investierte in Workshops und stellte nicht nur Fragen, sondern stellte sich auch selbst immer wieder in Frage.

Nun also liegt das Produkt jahrelanger Forschungsarbeit vor und ich freue mich sehr darüber. Victoria Hegner hat ihre jahrelange intensive Arbeit in einer Publikation zusammen gefasst, die ein neues und erhellendes Bild auf die Hexenszene werfen wird. Ich konnte bereits in das Manuskript rein lesen, es ist für mich sehr spannend und empfehlenswert und ich freue mich auf spannende Lesestunden. Ihr werdet sicherlich noch eine Rezension von mir zu lesen bekommen.

Vielen Dank, liebe Victoria, dass Du dieses Buch möglich gemacht hast!

Möge der Zauber wirken!
Foto: Victoria Hegner, Bildbearbeitung: Curtis Nike

 

 

Gehirnvirus

26.05.2019

Im Moment bin ich im Ruhrgebiet, der alten Heimat, in der ich aufgewachsen bin. Die Tage saß ich mit meiner Schwester in der Küche bei Kaffee und sie wollte mir ein Lied vor spielen. „Da denke ich immer an Dich“, sagte sie und ich schaute sie wohl fragend an. Sie meinte es sei wegen des Gehirnvirus. Von dem wusste ich gar nicht, dass ich ihn habe, aber sie winkte ab. Nein, ich weise in meinem Job und zuweilen im Alltag oft auf den Gehirnvirus hin. Der Gehirnvirus, so sagt sie mir, ist ein Virus, der übertragen wird durch das Internet, die Medien, die Politik, durch infizierte Menschen. Und schlagartig weiß ich welches Virus sie meint und ich lache.

Einatmen – Duft genießen – ausatmen. Das tut mir gut.

„Ich muss atmen, ich muss schlafen, ich muss trinken, regelmäßig essen und ich muss auf’s Klo – alles andere, was ich in meinem Leben mache ist eine freie Entscheidung. Ich muss nichts, ich kann mich frei entscheiden!“ So oder ähnlich klingt es oft, wenn mir Klienten oder Bekannte erzählen wollen, was ich unbedingt muss bzw. was sie selbst müssen. „Den Film musst Du gesehen haben!“, „Du musst Dich damit mal befassen!“, „Du musst mehr raus gehen!“, „Du musst mich verstehen!“, „Du musst Dir das anhören!“, „Du musst das unbedingt probieren!“, „Du musst Dich befassen!“. Was im Umgang mit meinen Mitmenschen noch kritisch hinterfragt werden kann, wird in den Medien – vor allem im Internet – zu einer aufdringlichen ‚Verantwortlichkeit‘. Wer sich nicht mit seiner Meinung einbringt, sich an bestimmten Events beteiligt, wer nicht präsent ist, wird abgestempelt. Das ist mir durchaus auch schon passiert. Es ist für mich nur nicht wichtig und komplett irrelevant. Wenn beispielsweise am Hexenstammtisch heftig und emotional über irgendwelche Leute debattiert wird, die sich ganz großartig für die Welt einsetzen und ich diese Personen nicht kenne, kommt ein: „Aber Du mußt doch wissen wer das ist!“ Meine Antwort lauten: „Nein, muss ich nicht!“ Ja, ich ernte erschütterte Gesichter und ich spüre: mir wird sogar zuweilen mangelndes politisches Bewußtsein attestiert. Wer mir soetwas unterstellt, kann mich nicht kennen. Und solche Energien kommentiere ich auch nicht mehr. Macht euch euer Bild. Es ist eure freie Entscheidung. Und ich kann damit leben, dass Menschen sich ihr eigenes Bild machen. Auch von mir. Nicht immer ist dies angenehm, aber mir ist es wichtiger als der Mensch, der ich bin angenommen zu werden und das andere Menschen bereit sind sich die Zeit zu nehmen mich kennen zu lernen. Im Gegenzug nehme ich mir diese Zeit auch. 

Ich entscheide frei für mich. Die Welt, in der ich lebe, gestalte ich jeden Tag selbst neu. Das, was ich aussende, kommt zu mir zurück. Mir ist es wichtig, das, was ich tun ‚muss‘ achtsam und bewusst zu tun. Dafür bin ich bereit für mich persönlich zu entscheiden wo ich Verantwortungen übernehme, wo ich meine Energie hin sende und wer oder was meine Achtsamkeit verdient. Ihr selbst habt es in den letzten Monaten schon gemerkt: Es hat sich etwas tiefgreifend verändert. Auch hier im Blog. Meine Einträge mögen seltener sein, aber ich hoffe, dass sie dadurch keineswegs an Intensität einbüßen.

Unbeeindruckt vom Gehirnvirus: Schildkröte Klara. Ich habe entschieden eine Woche für sie die Verantwortung zu übernehmen. Von ihr zu lernen entspannt.

In diesem Sinne eine Empfehlung: Nutzt den heutigen Tag, um zur Europawahl zu gehen – wenn ihr nicht schon gewählt habt, so wie ich. Dies ist kein ‚Muss‘, keine ‚Pflicht‘, es ist euer Recht. Und zumindest ich halt dieses Recht für enorm wertvoll und nutzenswert! Dies ist meine persönliche Entscheidung. Vielleicht entscheidest Du anders. Dann sage ich: Auch dies ist Dein Recht!

Übrigens: Das Lied, bei dem meine Schwester stets an mich denkt ist von Grossstadtrevier „Ich muss gar nichts“. Ich kannte es tatsächlich noch nicht und mußte sehr schmunzeln. Du kannst es Dir anhören. Du kannst es auch sein lassen. Ganz wie Du willst.

In diesem Sinne:
Bleibt mir bitte dennoch gewogen! Es würde mich freuen.

Widersprüche

17.05.2019

Dieser Mai kommt mit einer Widersprüchlichkeit, die an und für sich dem April zugeprochen wird. Dies spiegelt sich repräsentativ in der Wetterlage. Heute scheint die Sonne und die Temperaturen steigen in frühlingshafte Bereiche. Gestern regnete es in einem Moment und Kälte kroch unter die Kleidung, dann brach die Sonne durch und machte Lust spazieren zu gehen. Kaum hatte ich jedoch die Schuhe an zog der Himmel sich zu und öffnete die Schleusen.

Gleich zwei Regenbögen übereinander zeigten sich am Horizont.

Doch was sind Widersprüche eigentlich? Sie sind doch nichts anderes, als Veränderungen, die nicht in unser gedankliches Konzept passen. Oft behagen sie uns nicht und verweisen uns aus unserer Komfortzone. Ich persönlich neige dann dazu knatschig und unleidig zu werden. Oft ziehe ich mich zurück und bin für niemanden zu sprechen. Der Widerspruch ist nicht ausserhalb von uns, er findet in uns statt. Nicht der Mai ist widersprüchlich, sondern meine Wahrnehmung des Monatsverlaufes. Dabei sind es Widersprüche, die Brücken bauen können. Nur wenn die Sonne bei Dauerregen durchbricht kann der Bifröst – jene Regenbogenbrücke, welche die Welten miteinander verbindet – sich öffnen.

Bifröst

Der Bifröst öffnet sich und verbindet unser Midgard, die Erde, mit Asgard, der Welt der Götter. Um diese Verbindung zuzulassen müssen wir unsere Komfortzone verlassen. Die Begegnung mit den Göttern ist immer auch Konfrontation, aber auch Widersprüchlichkeit. Hier können wir das finden, das über das Menschliche hinaus geht. Die eigene Sterblichkeit und Verletzlichkeit tritt zurück vor der möglichen Erkenntnisfähigkeit. 

Die Begegnung mit einem Gott ist stets auch eine Herausforderung. Sie erfordert Mut, sie erfordert Entschlossenheit und sie erfordert die Fähigkeit zur eigenen Transformation. Vor allem aber sollte Humor und Lachen mitgebracht werden.
Diesen Weg kann man alleine beschreiten, oder aber auch zusammen mit anderen. 

Für den Juli habe ich bereits mein seelisches Köfferchen gepackt, denn ich werde wieder reisen, gemeinsam mit einer Gruppe neugieriger, mutiger, fröhlicher und entschlossener Hexen gehen wir los, um den widersprüchlichsten und zugleich närrischsten der nordischen Götter zu begegnen. Er lehrte mich eins: Widersprüchlichkeiten beginnt man am besten mit einem herzlichen Lachen aufzulösen.

Ich freue mich auf Dich, Loki!