Archiv des Autors: Curtis Nike

Die Loki Wette

14.07.2020

Sonntag, 14. Juli 2019, es ist der frühe Nachmittag und soeben endete der Loki-Workshop, den ich seit 2013 mehr oder weniger regelmäßig anbiete und unterrichte. Wir sitzen am Tisch, reden, lachen und essen. Wir, dies sind die Menschen, die am Seminar Teil nahmen, meine Person sowie meine Freundin, die den Workshop mit mir zusammen leitet. Die Energie der intensiven magischen Arbeit sprüht regelrecht Funken und Ideen entstehen, werden konkretisiert, formuliert oder wieder verworfen. Meine Freundin ist ganz vorne mit dabei. Sie hat eine kreative Idee, die recht pfiffig, umfangreich und aufwändig ist. Die Idee hat mit einem der nordischen Götter zu tun, sie klingt recht humorvoll und Loki findet die Gedanken richtig gut. Nur, und dass wissen sowohl Loki als auch ich, umsetzen wird sie diese Idee vermutlich nie. Das ist nämlich so ein Ding bei ihr: Sie hat tolle Ideen, macht große Pläne und verspricht sich alles mögliche, leider klappt es dann in der Regel mit der Umsetzung nicht so wie gedacht und der Alltagstrott fängt sie ein und lässt sie nicht mehr los… Da hat Loki eine Idee…

Wette gewonnen!

Blumig berichtet  meine Freundin von ihrem kommenden, kreativen Projekt. Es wird dann später auch im großen Stile erscheinen, sie hat sogar schon Gedanken wo das sein könnte.
„Ach“, sagt Loki träge, „das machst Du eh nicht.“
„Wie meinst Du denn das?“ kommt es zackig zurück.
„Bevor Du Deine Pläne umsetzt habe ich einen Wandkalender für das Jahr 2021 vollständig designt und fertig“, meint er völlig ungerührt.
„Jaja, sag nur“, sie winkt ab.
„Ich wette. Ich wette, dass ich zuerst mein Projekt fertig habe: Einen netten Hexenkalender für das Jahr 2021, für die Wand“, Loki grinst.
„Da wette ich gegen!“ kommt es sofort von meiner Freundin.
Da mischt sich eine Workshop-Teilnehmerin ein: „Und als Einsatz gibt es einen Tag all inclusive im ***-Spa“, schlägt sie vor.
„Einverstanden!“ kommt es von Loki und meiner Freundin gleichzeitig und sie schlagen ein. Als Deadline (spätestens da muss eine von uns die Wette eingelöst haben, sonst verlieren beide Seiten) wird der 30. September 2020 fest gelegt.

Zack. Da sitze ich. Sprachlos. Alle am Tisch schauen zu mir und meiner Freundin, sie grinsen.
„Es ist schon wieder passiert, oder?“ entfährt es mir entsetzt. Loki hat mal wieder zugeschlagen.
Und dann sitze ich da. Mit dieser Lokiwette an der Backe. Denn einlösen darf ich sie dann für ihn. Er wettet und ich darf es dann ausbaden. Eigentlich sollte das seines Erachtens doch kein Problem sein… ich hatte ja in den 90er Jahren und über den Jahrtausendwechsel hinweg jedes Jahr einen keltisch-heidnischen Kalender illustriert und heraus gegeben. Aber der letzte Kalender liegt nunmehr 15 Jahre zurück und die Arbeit an einem solchem Projekt würde mir viel Zeit und Kraft abverlangen…

Nun, ich will gar nicht mehr so sehr in die Tiefe gehen. Fakt ist: Ich musste mit für die Realisierung des Projektes tatsächlich einiges neu anschaffen (unter anderem ein beleuchtetes Zeichenbrett und tatsächlich auch eine neue Brille) und habe mich dann in den letzten Monaten an das Projekt gemacht, denn für mich war klar: Ich wollte es unbedingt vor meinem 50.sten Geburtstag hinter mich bringen und es nicht auch noch in die zweite Lebenshälfte mit rein schleppen 😉

Exakt ein Jahr später habe ich es geschafft: Der Kalender ist fertig, drei Ansichtsexemplare wurden gedruckt, die Wette ist gewonnen: Loki, Du schuldest mir etwas!

Wandkalender 2021 im DinA4 Format

Nachtrag: Trotz gewonnener Wette hat meine Freundin natürlich noch die Möglichkeit ihr eigenes Projekt bis Ende September zu einem runden, professionellen und präsentierbaren Abschluß zu bringen. Ich bin gespannt. Einlösbar ist der Wettgewinn bis auf weiteres wegen Corona für mich ohnehin nicht. Danke Loki, das war wieder ganz geschickt!
UND: In einem weiteren Blogbeitrag werde ich Euch den Kalender später etwas genauer vorstellen.

Hexenkater Iggy

Iggy Spock wird 16!

10.06.2020 ev

Iggy hat Geburtsmonat. Er wird in diesem Juni 16 Jahre alt, mutmaßlich an irgendeinem Tag zwischen heute und dem 16. Juni. 

Als Iggy zu mir kam, einen Tag vor meinem 34 Geburtstag, war er ein winziges Baby, das hilflos und schreiend gefunden wurde und mir zugetragen wurde. Er war so klein, dass er noch ganz wackelig auf den Beinen war und mehr hoppelte als lief. Der erste Gang zum Tierarzt ergab, dass er vermutlich nur zwischen 6 und 7 Wochen alt war und eigentlich noch zu seiner Katzenmama gehörte. Doch von ihr keine Spur. Vermutlich war der kleine Kerl ausgesetzt worden oder hatte sich bei einem ersten Ausflug komplett verlaufen. Wahrscheinlicher ist leider ersteres, denn das zügige Laufen war noch nicht wirklich seins.

Iggy und ich wurden von Freya zusammen geführt. Einige Wochen bevor er zu mir kam hatte ich mir von der Göttin einen neuen Katzenfreund gewünscht. Ich war gerade dabei alles in die Wege zu leiten, um jemanden aus dem Tierheim oder einer der Auffangstationen bei mir auf zu nehmen. Da wurde mir das rabenschwarze, weinende Bündel gebracht. Wir setzten das Katzenbaby in meiner Wohnung auf den Boden. Sofort war das Zittern vorbei und neugierig erkundete er die Umgebung und machte sich über die bereit gestellte Katzenmilch her.

Im Sommer ist sein Lieblingsplatz auf dem Katzenbaum auf dem Balkon.

Inzwischen ist Iggy blind, er erhält regelmäßig Medikamente und hat einiges erlebt in seinem Katzenleben. Der alte Hexenkater selbst genießt die sonnigen Tage auf dem Balkon und geht sonst seinem größten Hobby nach: Pennen.
Gefeiert wird sein Geburtstag erst nächsten Monat, zusammen mit meinem. Genau genommen feiern wir nicht, sondern machen uns einen gemütlichen Katze-Humanoid Tag mit leckerem Essen, Entspannung, lange Schlafen und Freude daran, das wir einander haben. Ich hoffe Iggy bleibt noch lange bei mir. ❤

Kreuzberger Spaziergang

04.06.2020 ev

In den Parks hängen Plakate aus und werden Flyer verteilt.

In meinem letzten Beitrag hatte ich Euch danach gefragt wie Ihr mit der Krise umgeht und was sich verändert. Bei mir hat sich vieles verändert und einiges davon möchte ich langfristig in meinem Leben integrieren. So habe ich zum Beispiel – zu meiner eigenen Überraschung – vor allem in der Zeit daheim sportliche Aktivität entwickelt, die ich gerne auch in Zukunft beibehalten möchte. Möge es gelingen.

Es grünt und blüht in Berlin.

Ein Aspekt, den die Krise mit sich brachte, war die Tatsache, dass es in Berlin keine Touristen mehr gab. Die kommen nun langsam wieder zurück. Doch in der Hauptzeit des allgemeinen Shutdown waren die Straßen zunächst wie leer gefegt. Dann kamen nach und nach die Berliner zurück in die Parks und Grünanlagen. Ich selbst ganz vorne mit dabei. Tatsächlich glaube ich, dass ich nie zuvor so viele Spaziergänge gemacht habe wie in den letzten Wochen. Dabei war es möglich die Parks aus einer ganz neuen Perspektive wahr zu nehmen, denn ich war allein unterwegs und oftmals begegnete ich sehr wenigen Menschen. 

Grossstadtwildnis

Eine Parkanlage, die im Herzen der Stadt liegt und die ich bei gutem Wetter eigentlich nur im überfüllten Zustand kenne, ist der Park am Gleisdreieck. Diese Anlage ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert. Im Alltag – ohne Shutdown – findet man hier viele Menschen, die Sport treiben. So trainiert hier auch zuweilen eine der Berliner Quidditch Mannschaften. Zahlreiche Sportanlagen – von Einzeltrainigsgeräten bis hin zu Beachvolleyballplätzen – bieten Raum sich auszutoben.
Ich persönlich liebe an dem Park aber vor allem die verwunschenen, verwilderten Ecken, die man durchstöbern kann und in denen man Tiere und ein wahres Blumen- und Kräutermeer entdecken kann. Ein winziges Wäldchen und verwunschene Kleingärten lassen die Großstadt für einen Augenblick zurück treten. Nur um wenig später Raum zu öffnen für weitreichende kreuzberger Impressionen in Form von Street Art.

Mit seinen fast 30 ha gehört der kreuzberger Park am Gleisdreieck zu den großen – nicht aber den größten – Parks der Hauptstadt. Vor allem in den Morgenstunden ist es hier sehr schön. Begehbar ist die Anlage von zahlreichen Eingängen aus, es gibt Radwege, es gibt Skaterareale und sowohl Kinder als auch Hunde finden viel Raum zum spielen. Mir persönlich gefallen die Schaukeln, die man immer mal wieder findet und die in ihrer Höhe auch für Erwachsene geeignet sind. Manchmal findet man mich hier vor mich hin schaukeln. 

Auch städtische Elemente sind am Gleisdreieck integriert.

Dieses Jahr werde ich nicht groß verreisen.  Für mich ist es an der Zeit die Berliner Parklandschaften und Kieze nicht nur zu begehen, sondern ihre Besonderheiten und Schönheiten auch einmal fest zu halten. Darauf freue ich mich schon!

Blütenmeer mitten in der Großstadt

Was plant Ihr in diesem Sommer?

 

 

Stimmen aus der Krise

01.06.2020 ev

Langsam kommt die Gesellschaft wieder in Bewegung. Achtsam im Umgang miteinander geht es in den Sommer. In den letzten Tagen habe ich zahlreiche Zuschriften bekommen mit Anfragen, wann denn wieder Workshops, Treffen oder Stammtische der  Zaunköniginnen statt finden. Es scheint so, als würden viele in den Startlöchern stehen und sich nach Begegnungen sehnen.

Nun, für mich hat sich vieles verändert in der Krise und ich werde auch einige dieser Änderungen in meinem Leben umsetzen. In erster Linie bedeutet dies auch: Nach wie vor veranstalte ich keine Workshops, keine Treffen und keine Begegnungen. Dies gilt bis September. Zugleich möchte ich Euch zu einer kleinen Aktion aufrufen, teilt mir doch einmal mit wie die Krise bei Euch gewirkt hat, was sie bewirkt hat, was sie verändert hat und wie sie Euch bewegt hat. Was hat Euch durch geschüttelt? Was hat Euch motiviert? Was bleibt? Was seht Ihr für die Zukunft? Welche Fragen und Sorgen wurden aktiviert? Welche Hoffnungen und Motivationen blühen?

Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir Eure Eindrücke in Worten oder Bildern zusendet. Schreibt bitte dazu, ob es für Euch in Ordnung ist Eure Impressionen (auch in Auszügen) hier abzudrucken. Sei auch Du eine Stimme aus der Krise, Eure Zuschriften könnt Ihr an mich (Curtis.Nike(at)arcor.de) richten. Ich freue mich auf Deine Post!

Was blüht uns in diesem Sommer?

Tanz in den Mai

01.05.2020 ev

Der Duft von Räucherwerk erfüllt den Raum, Kerzen brennen, Musik erklingt und meine Füße bewegen sich über den Boden. Zunächst langsam, gelassen, dann immer schneller und schneller. Ich tanze.
Die Sonne geht unter, der Himmel scheint zu brennen und zeigt ein beeindruckendes Farbenspiel. Dann tost ein Unwetter los. Die Schleusen öffnen sich – lang ersehnter Regen prasselt hernieder. Und ich tanze und tanze – tanze allein in den Mai. Die aktuelle Weltlage lässt nichts anderes zu. Dennoch: Ich bin nicht alleine. Bei mir sind all die Menschen, die sich gemeldet haben, um bei der Herzenspost mit zu machen. 

Allein und doch in der Gemeinschaft: Der Altar zur Herzenspost.

Zahlreiche Zuschriften erreichten mich auf meinen Aufruf zur Herzenspost. Sehr viele schrieben, dass sie das Projekt toll finden, aber zu dem Zeitpunkt nicht mit machen können. Doch genauso viele fühlten sich motiviert Postkarten zu kaufen, zu zeichnen, zu basteln oder Briefe und Karten zu schreiben. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Und so verbrachte ich den Tag vor der Mainacht damit Figuren zu basteln, bunt und fröhlich. Jede Figur erhielt wahllos einen Namen auf die Brust und eine Anschrift auf dem Rücken und landete in einer Box.
Am Abend dann beginnt das Ritual mit dem Aufbau des Altars. Ich ziehe die Teilnehmenden und bilde mit  ihnen einen Kreis. Jeder teilnehmende Mensch erhält ein Teelicht, symbolisch über den Kopf der jeweiligen Figur positioniert. Dann nehme ich mir die Zeit meine eigene Herzenspost, an der ich schon seid zwei Tagen bastel, zu Ende zu stellen. Räucherduft umgibt mich und irgendwann beginne ich zu tanzen… zu tanzen… zu tanzen… willkommen Mai! Willkommen Wonnemond!

Heute teile ich allen, die an der Herzenspost teil nehmen, mit, an wen sie ihren Post senden dürfen. Morgen bringe ich meinen Brief zur Post. Dann warten Vorfreude auf mich.

Wer mag kann mir gerne Fotos vom eigenen Maialtar, Beltainealtar, Kerzenlicht, Basteltisch oder ähnlichem senden. Beibt mir gewogen!