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Das Römerfest in Mayen

Rekonstruierte und begehbare Römerwarte auf dem Katzenberg bei Mayen

Rekonstruierte und begehbare Römerwarte auf dem Katzenberg bei Mayen

Der Sommer hat langsam Einzug gehalten. Die Sonne hat ihren höchsten Stand überschritten und in unseren Regionen ist es Hochsommer. Die Zeit der Ausflüge und des Reisens hat begonnen. Glücklicherweise habe auch ich die eine oder andere Möglichkeit, um Ausflüge und kleinere Reisen zu unternehmen. Und so konnte ich in diesem Jahr einem Event beiwohnen, welches ich schon länger im Auge habe: Dem Römerfest in Mayen. Dieses Ereignis findet regelmäßig jedes dritte Wochenende im Juli statt und meine römischen Freunde von Mos Maiorum haben bereits in der Vergangenheit ausführlich über diesen Event berichtet. Dies soll mich jedoch nicht davon abhalten selbst meine Impressionen zu verfassen 🙂 Denn am 16.07.2016 hatte ich endlich die Möglichkeit mir einen persönlichen Eindruck vom Event in Mayen zu machen. Im Vorfeld hatten Corvina und Ludovicus mich darauf vorbereitet, dass es sich beim Römerfest in Mayen um ein eher kleines Ereignis handeln würde. Ein Fakt, welcher mir persönlich sehr entgegen kommen sollte, wie sich zeigte.

Mit dem Wetter hatten wir am letzten Wochenende großes Glück. Über der Terra Vulcania hing zwar eine geschlossene Wolkendecke, aber es war warm an dem Tag und wir sollten von Regen verschont bleiben. Somit war es optimales Wetter, um den Tag – ohne Sonnenbrände und Hitzschläge – im Freien zu verbringen. Und so konnte ich – Dank des ‚Rundum Sorglos-Paketes‘ (von Frühstück über An- und Abreise bis zur Getränkeversorgung), welches Corvina und Ludovicus für mich arrangiert hatten – mich in das Abenteuer stürzen.

Beim Schmied konnte ich mich nicht nur informieren, sondern erhielt sehr hilfreiche Hinweise für meine winterliche Arbeit des Kerzengießens, Skulpturen erstellen und vielleicht auch Zinngießen...

Beim Schmied konnte ich mich nicht nur informieren, sondern erhielt sehr hilfreiche Hinweise für meine winterliche Arbeit des Kerzengießens, Skulpturen erstellen und vielleicht auch Zinngießen…

Gleich beim Eintritt war ich positiv überrascht. Die Tageskarte für das Römerereignis – inklusive zweier ausführlicher Führungen – kostete 3,00 € (sic!).  Den Preis ließ ich mir gerne gefallen, zumal auch die Getränkepreise an der Theke sehr moderat waren. Eine gekühlte Flasche alkoholfreies Bier beispielsweise kostete 1,50 €. Und so kann ich vom Preis her erst mal sagen, dass sich der Ausflug hierher durchaus auch für Familien mit Kindern rundum lohnt.

Kaum angekommen wurde mein Blick auch gleich von einem gallorömischen Schmied eingefangen, der sich mit großem Elan an sein Werk machte. Als ich mich in meiner unnachahmlichen Art auf ihn stürzte, um ihn mit Fragen zu malträtieren, war er sichtlich erfreut und motiviert mir mit meinen Ideen und Anfragen zum Thema Gussformen weiter zu helfen. Das Gespräch mit ihm brachte mir sehr viele neue Ideen und Inspirationen und ich freue mich schon darauf sie im Winter auszuprobieren. Also: Danke lieber Schmied, ich habe Deine Hinweise als sehr hilfreich empfunden!

Obgleich mir das Event ja als ‚klein‘ angekündigt worden war, gab es doch sehr viel zu sehen. Ein Knochenschnitzer war vor Ort, ebenso wie ein römischer Landvermesser. An einem Stand konnte man sich über römische Salben und Aromen informieren, an einem anderen konnten Kerzen gezogen werden. Die Atmosphäre war insgesamt sehr familiär, so dass man schnell mit den Anwesenden ins  Gespräch kommen konnte. So ließen wir uns unter anderem römische ‚Feuerzeuge‘ vorführen und hatten  die Möglichkeit uns mit einem römischen Centurio zu unterhalten, was sehr amüsant war. So erfuhr man, dass auch fast zwei Meter große – auf Soldat getrimmte – Männer ihre ganz spezifischen Ängste und Sorgen haben.  

Signifer und Centurio.

Signifer und Centurio.

Die Soldaten der Legio XXII Primigenia, die hier ihr Zeltlager hatten, erklärten uns die Unterschiede in der Behelmung und der Rüstung der Soldaten. Auch zeigten sie uns verschiedene Formationen, die sie einnehmen konnten, und demonstrierten Kampftechniken. Obgleich es nur eine kleine Gruppe war, die anwesend war, empfand ich ihre Demonstrationen als recht imposant. 

Nach der Demonstration der Legion nahmen wir das Angebot in Anspruch uns mit einem Shuttlebus zum nahegelegenen römischen Kastell am Katzenberg fahren zu lassen. Dort hatten wir die Möglichkeit die rekonstruierte Römerwarte mir einer sehr kompetenten Führung und spannenden Erläuterungen zu besuchen und auch selbst zu begehen. Die etwa eineinhalbstündige Wanderung über meist freies Gelände war durch das entsprechende Wetter sehr angenehm. Heißer hätte es –  für mich – nicht sein dürfen.

Es folgte eine kleine Zwischenpause für Erfrischung und dann schon kam das nächste Ereignis: Eine römischen Modenschau. Vorgeführt wurden Bekleidungen für die Dame und für den Herrn. Jetzt kann ich endlich Sklaven und freie Bürger anhand ihres Gewandes voneinander unterscheiden. Ein bisschen bedauerlich fand ich allerdings, dass keine römische Toga gezeigt wurde. Ich würde wirklich gerne einmal wissen, wie eine Toga angelegt wird.

Eine weitere sehr interessante Führung führte uns in das Mayener Grubenfeld, welches direkt an das Festgelände anschloss. Der hier liegende Steinbruch wurde bereits lange vor der Römerzeit bis in die Neuzeit hinein genutzt. Das Besondere an diesem Ort ist, dass sich in den Steinen die Spuren der Vergangenheit ablesen lassen. So finden sich im Steinbruch noch Überbleibsel der Römer – Arbeitsspuren ebenso wie liegen gelassene Mühlsteine. Nach der etwa eineinhalb stündigen Führung, die durch einen sehr gut informierten Führer überzeugte, war ich dann langsam rechtschaffen müde und bestens versorgt mit Informationen. Bei einem römischen Bäcker besorgte ich mir noch römisches Fladenbrot (das mich durch seine Würze rundum überzeugte und mich in seinem Nährwert fast an Lembas erinnerte) sowie hervorragendes Moretum. Und dann ging es wieder zurück zur Heimstätte meiner römischen Freunde, wo wir den Tag gemütlich ausklingen ließen.

Im Großen und Ganzen ist das Römerevent in Mayen auf jeden Fall eine Reise wert! Der Tag vor Ort war voll mit Ereignissen und ich hätte ohne weiteres noch einen zweiten Tag füllen können. So verpasste ich eine römische Hochzeit und hätte mich auch gerne noch mit der römischen Art Salben herzustellen befasst. Obgleich es sich bei diesem Fest um ein eher ‚kleines‘ Ereignis handelt, habe ich persönlich eine ganze Menge Impressionen mit nehmen können. Durch das weitläufige Gelände wirkt die Veranstaltung auch nicht so überlaufen und man hat die Möglichkeit sich mit den Teilnehmern ganz entspannt und locker zu unterhalten. Mir hat es rundum gefallen!

Römische Soldaten

 

 

Altäre im römischen Rekonstruktionismus

Ende letzten Jahres habe ich begonnen eine kleine Minireihe zum Thema Altäre zu schreiben. Hier hatte ich Euch einige Hausaltäre, Altarkerzen aber auch Altäre zu speziellen Anlässen vorgestellt. Eine kürzliche Reise führte mich unter anderem in die Regionen der Eifel und von dort aus durch gallische Gebiete bis nach Trier. Verbracht habe ich diese Zeit mit guten, alten Freunden, römischen Heiden, die unter anderem die empfehlenswerte Website Mos Maiorum – der römische Weg betreiben. Und so habe ich die Möglichkeit Euch heute ein paar ganz besonderer Hausaltäre zu präsentieren.

Handgefertigtes Lararium mit Lampe und Schlangen-Räucherschale

Handgefertigtes Lararium mit Lampe und Schlangen-Räucherschale

Im Cultus Deorum Romanorum, dem Römischen Rekonstruktionismus, gilt das, was auch für viele neuheidnische Strömungen bedeutsam ist. Der Mittelpunkt des spirituellen Fühlens drückt sich auf der materiellen Ebene im Heim durch einen Hausaltar aus. Dieser Hausschrein wird bei den Römern als Lararium bezeichnet, da der Schrein auch als Wohnort der sogenannten  Laren, römischer Schutzgottheiten, gilt. Das Lararium ist Mittelpunkt der heimischen, rituellen Praxis.

Das Lararium: ein Heim für die Laren und Penaten.

Das Lararium: ein Heim für Götter, Laren und Penaten.

Die hier dargestellten Lararien sind etwas ganz besonderes, da es sich bei ihnen um handgefertigte Einzelexemplare handelt. Die Stücke sind eigens für den jeweiligen Haushalt vermessen, zugeschnitten und zusammengebaut worden und dann, nach römischen Vorbild, farbenfroh bemalt worden. Hierbei ist anzumerken, dass die Römer insgesamt einen Hang zu sehr farbenintensiven Darstellungen hatten. Sowohl ihre Hauswände, als auch die Statuen der Gottheiten waren farbenfroh und lebensecht bemalt, wie sich anhand von Farbresten und Funden belegen lässt. Einen kleinen Eindruck dieser einstigen Farbintensität kann man gewinnen, wenn man römische Mosaike betrachtet. Aber darüber hinaus gibt es auch Rekonstruktionen römischer Bauwerke und Tempelanlagen, in denen versucht wurde in der Gestaltung so orginalgetreu wie möglich zu arbeiten. Während meiner Reise hatte ich die Möglichkeit eine solche Anlage zu besichtigen und ich werde zu einem späteren Zeitpunkt darüber berichten.

Das Lararium als Mittelpunkt des sakralen Raumes.

Das Lararium als Mittelpunkt des sakralen Raumes.

Auch die hier gezeigten Lararien sind Rekonstruktionen, die sich am römischen Lebensalltag anlehnen. So findet man in beiden abgebildeten Lararien zum Beispiel jeweils mindestens eine Schlange. Die Schlange ist in der römischen Mythologie ein Symbol für Heil und gilt als Bringerin von Frieden und Wohlstand. Sie gehörte bei den Römern zum Inventar des Larariums, vor allem da sie den Genius Loci repräsentiert.

So ist das Lararium zum einen eine Form des Hausaltars, wie wir ihn aus anderen spirituellen Richtungen kennen. Zum anderen ist es Rekonstrukion römischer Lebenswirklichkeit, eine Rückbesinnung auf alte, kulturelle Einflüsse, die bis heute wirken. Doch nicht zuletzt ist es Ausdruck tief empfundener Spiritualität und Anbindung an die Götter.

Sacrarium mit Apollo

Es geht auch ohne ‚Behausung‘: Apollo-Sacrarium

Ich danke an dieser Stelle Q. Albia Corvina für das zur Verfügung stellen der hier verwendeten Fotos!