Blog-Archive

Da hilft nur noch ein Laserschwert!

16.02.2018

Ich bin ein Nerd! Und das, was heute morgen passiert ist beweist, dass ich es nicht verbergen kann. Egal wie gut ich es in manchen Situationen probiere. Naja, ich muß es doch wissen, wo ich es selbst beim letzten Hexenworkshop zu hören bekam: „Du bist ein Nerd!“ Vergegenwärtigen wir uns das: Ich bin ein Nerd selbst unter den Nerds. Das sollte mich zum Nachdenken bringen…

Doch beginne ich von Vorne …

Mein Wecker klingelt um 6.30 Uhr. Ich stehe auf, mache mir Kaffee in meinem Harry Potter Becher und husche ins Bad, wo ich mit meiner Laserschwert Zahnbürste gewissenhaft meine Pflicht erfülle. Heute wähle ich meine Kleidung sorgfältig aus. Nein, der obligatorische Star Wars Pullover bleibt liegen, statt dessen wähle ich ein schlichtes, schwarzes Kleid. Wer mich kennt weiß, dass man an einer Hand abzählen kann, wann ich mal ein Kleid anziehe. Ausser zu Ritualen, zu Jul oder zum Geburtstag meiner Eltern eher nicht. Was also ist los? Ganz einfach: Ich habe Euch vor Jahr und Tag schon einmal von meinem geplanten Hexenkeller geschrieben – die aufmerksame Leserschaft des Blogs erinnert sich vielleicht daran. Besagter Keller ist inzwischen zu einer Abstellkammer verkommen und ich habe vor drei Monaten einen Termin zum Abholen des Gerümpel vereinbart. Hier in Berlin dauert es lange, bis man einen Sperrmüll-Termin bekommt. Ausserdem kostet die Abholung nicht nur richtig Schotter, sondern man muß im Vorfeld auch genau angeben, was man entsorgt haben möchte. Ihr könnt Euch denken, dass sowas schwer planbar ist. Und so hat sich nach und nach noch das ein oder andere mit in meinen Keller geschlichen. Mein Ziel: Durch geschicktes Nachverhandeln das ganze Zeug zum Festpreis los werden. In Darth Vader oder Luke Skywalker Pullover fürchtete ich meine Verhandlungsgrundlage zu verlieren. Doch es sollte sich zeigen, dass ich ein so hoffnungsloser Fall bin, dass es inzwischen egal sein kann was ich an habe. Bei mir ist alles verloren.

Er wäre vielleicht hilfreich gewesen, aber auch wir schaffen es einen Hammer zu zerbrechen!

Als ich also um 7.00 Uhr in den Keller ging, um ihn aufzusperren und alles vorzubereiten, erwartete mich eine unangenehme Überraschung: Das Schloss der Kellertür klemmte. Ich bekam die Tür nicht auf. Also rüttel‘ ich, drücke die Tür, ziehe sie an, probiere mit dem Schlüssel rum. Nichts. Die Tür bleibt zu. Ich spüre wie Panik in mir aufsteigt. Dazu solltet ihr wissen: Wenn die BSR kommt, weil ich sie herbestellt habe, aber nichts abholt, so muß der Termin trotzdem voll bezahlt werden. Und das Ganze kostet 50 €. Also renne ich hoch in meine Wohnung und mache das, was Nerds in solchen Situationen tun: Ich rufe Mama und Papa an. Damit sie mich retten. Ja. Ehrlich. Mein Vater hat einen Zweitschlüssel zum Keller. Weit weg wohnt er auch nicht. Und die Telefonnummer von Thor (also den von Marvel), der mir die Tür hätte einschlagen können, hatte ich gerade nicht zur Hand. Also macht sich mein Vater mit dem Zweitschlüssel auf die Socken. Ich hingegen stürze wieder die Treppen runter in den Keller. Denn inzwischen ist die Berliner Stadt Reinigung angerückt. Wer nun meint, dass jahrelange persönliche Praxis und Meditation dazu führen, dass ich gelassen und ruhig den Herren von der BSR das Dilemma schildere, irrt. Meditation ist gut und sinnvoll. Aber heute werde ich hysterisch. Völlig ausser mir schildere ich den Männern das Problem. Sie sind sogleich bereit die Situation selbst in die Hand zu nehmen und versuchen die Tür zu öffnen. Nichts. Sie klemmt. Rütteln, drücken, ziehen, nichts hilft. Doch offenbar mache ich doch einen so mitleiderregenden Eindruck, dass sie sich bereit erklären bei zwei weiteren Anwohnern in der Nähe den Sperrmüll zu holen und dann noch einmal vorbei zu kommen. Bis dahin sollte mein Vater mit dem Zweitschlüssel da sein…

Ich renne ein bisschen hin und her, bis mein Vater anrückt. Endlich ist er da: Der Zweitschlüssel! Ich bin gleich erleichtert, wir stürmen in den Keller und… der Schlüssel funktioniert auch nicht. Wir rütteln, wir schütteln, wir ziehen, wir zerren, wir ölen Schlüssel und Schloß… die Tür bleibt zu. Das ist äusserst verwunderlich, denn gestern war mein Vater noch in besagtem Keller und hatte ein paar Sachen raus geholt. Wir versuchen es mit Gewalt. Der Schlüssel bricht ab. Das Schloss ist endgültig im Eimer.
Inzwischen rückte auch unsere gute Seele des Hauses, die Hausmeisterin, an. Wir schilderten das Dilemma (sie hatte auch noch eine Kleinigkeit für die BSR, die ich mit geben sollte) mit der Tür und beschlossen kurzerhand das Schloss aufzuschrauben.
„Dazu brauchen wir das Laserschwert!“ verkünde ich, renne wieder hoch in meine Wohnung und komme mit einem meiner Laserschwerter zurück. In der Zwischenzeit hatte mein Vater den Werkzeugkasten herbei geschafft. Ich zünde das Laserschwert und muß der geneigten Leserschaft an dieser Stelle offenbaren, dass es ein Diodenschwert ist und mit Sound ausgestattet als Taschenlampe dient. Es ist übrigens blau. Natürlich habe ich auch ein weißes, welches durch Umstellen des Kyberkristalls auf grün, rot oder blau geschaltet werden kann. Aber das weiße Laserschwert hat nicht nur beim Ein- und Ausschalten  Soundeffekte, sondern auch bei jeder Handbewegung. Das nervt beim Schrauben. Unter den Augen meines Vaters und der Hausmeisterin und im Strahlen des Laserschwertes löse ich die Schrauben aus dem Türschloss. Es ist ein robustes Schloss. Meine Aktion bewirkt nur eine leichte Lockerung. Mein Vater beschließt kurzerhand die Tür einzutreten. Trotz vollem Körpereinsatz gelingt dies jedoch nicht. Doch wofür hat man eigentlich einen Hammer? Beherzt wird alle Kraft aufgebracht, um das Türschloss zu zerschmettern. Es hält. Langsam werde ich echt sehr nervös. Doch da hat unsere Hausmeisterin eine Idee. Sie schafft einen schweren, metallenen Dreizack herbei. Weder mein Vater noch ich wissen wo er her ist. Uns ist der Dreizack nie zuvor aufgefallen und wir sind uns sicher, dass weder Neptun noch Aquaman unsere Nachbarn sind. Zumindest bis jetzt. Auch jetzt, wo ich diese Zeilen tippe, wundere ich mich über diesen obskuren Gegenstand in unserem Keller. 

Gemeinschaftlich wird der Dreizack – unter der Beleuchtung des Laserschwerts – zwischen Tür und Wand gestemmt. Zentimeter für Zentimeter wird das Werkzeug hoch geschoben, während mein Vater den Hammerkopf des zuvor eingesetzten Hammers ebenfalls zwischen Tür und Wand stemmt. Mit voller Kraft arbeiten Hausmeisterin und Vater, beide über 70 Jahre alt, daran die Lücke zu vergrößern. In der Zwischenzeit kommt die Tochter der Hausmeisterin runter und schaut nach uns: „Reisst ihr das Haus ab?“ fragt sie grinsend und verschwindet wieder. Vermutlich bringt sie sich in Sicherheit vor dem potentiel einstürzenden Bau.

Sauber durchgebrochen.

Es kracht ohrenbetäubend. Der Hammer bricht. Der Dreizack nicht. Wir geben nicht auf. Es knarzt, es scheppert, Schweiß strömt und dann: Zack! Die Tür ist aufgebrochen. Fast zeitgleich kommt die BSR. Ich renne die Kellertreppe hoch, winke mit dem Laserschwert: „Wir haben die Tür aufgebrochen!“ Die Männer staunen nicht schlecht, lachen, räumen.

Ja, am Ende sind wir alles los geworden an Sperrmüll, unter großem Gelächter und Schulterklopfen. Aber mal ganz ehrlich: Da hätte ich doch auch meinen Star Wars Pullover anziehen können, oder?

Ein stummes Zeugnis verzweifelter Gewalttaten

Star Wars mitten in Berlin

Pietje überragt Leia inzwischen fast. In drei Jahren hat er Han eingeholt.

Pietje überragt Leia inzwischen fast. In drei Jahren hat er Han eingeholt.

Es gibt Orte in einer Millionenstadt, die besuchen ihre Bewohner so gut wie nie. Die Londoner sehen zwar auf den Tower, aber die wenigsten waren jemals drin. Pariser fahren seltenst auf den Eiffelturm und die meisten Berliner trifft man weder in der Reichstagskuppel noch auf dem Fernsehturm. Und dann gibt es noch die Orte und Events, die sogar speziell für Touristen gedacht sind. Dazu gehört sicherlich das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds, welches seinen Hauptsitz in London hat und unter anderem Niederlassungen in Berlin, New York und Wien hat. In Berlin gab es jedoch bereits zuvor Wachsfigurenkabinette, wie beispielsweise das 1869 eröffnete Panoptikum der Gebrüder Castan. Nach und Nach jedoch wurde Madame Tussauds auch über Londons Grenzen hinaus zu einem Großunternehmen und hat nun Unter den Linden 74 in 10117 Berlin seine Pforten geöffnet.

Ego te absolvo.

Ego te absolvo.

Als meine Familie in diesem Sommer hier in Berlin war, da stand auch ein Besuch bei Madame Tussauds auf dem Programm. Diesen Programmpunkt hatte ich selbst auf die Liste gesetzt, da ich mir unbedingt die Star Wars Ausstellung angucken wollte, von der ich gehört hatte. Und so wurden zunächst Karten besorgt. Ich möchte Euch an dieser Stelle eines UNBEDINGT empfehlen: Falls ihr einen Besuch der Ausstellung in Erwägung zieht, dann kauft euch bitte online die Karten! Je nachdem an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit ihr die Ausstellung betretet könnt ihr hier eine Menge Geld sparen! In den Räumlichkeiten selbst könnt ihr euch letztendlich so lange aufhalten wie ihr wollt. Es lohnt sich recht früh zu kommen, denn dann hat man weitaus mehr Raum zum fotografieren und sich alles in Ruhe anzuschauen.

Der fünfte Beatle war offenkundig ein Zeitreisender.

Der fünfte Beatle war offenkundig ein Zeitreisender.

Das Konzept von Madame Taussauds in Berlin ist interaktiv. Alle ausgestellten Exponate sind – von einer Ausnahme abgesehen – frei zugänglich, frei fotografierbar und berührbar. Dabei hat man sich die Mühe gemacht die jeweiligen Figuren auch in einen adäquat ausgestatteten Umfeld darzustellen. Wer sich also mal mit Günther Jauch im Setting von ‚Wer wird Millionär‘ fotografieren lassen möchte oder Lust hat bei den Beatles die zweite Gitarre zu spielen kann dies hier tun. Equipment wie Gitarren oder auch leicht überzuziehende Kleidungsstücke sind vorhanden. Rasch verwandelt man sich in einen Shakespeare-Darsteller, natürlich nicht ohne wenig später bei Dr. Freud auf der Couch zu landen.  

Luke lässt sich auch durch ständigens fotografieren nicht ablenken.

Luke lässt sich auch durch ständigens fotografieren nicht von seiner Mission ‚Wie rette ich meinen Vater, ohne ihn in Stücke zu hauen‘ ablenken.

Ich selbst bin bereits in der Vergangenheit in London im Wachsfigurenkabinett gewesen und wusste von daher was mich in etwa erwartet. Wer noch nie in einer solchen Ausstellung gewesen ist, wird sicher erstaunt und überrascht darüber sein wie absolut lebensecht die Personen sind. Alle dargestellten Politiker, Musiker, Schriftsteller, Wissenschaftler, Schauspieler, Sportler oder sonstige historischen Persönlichkeiten sind detailliert und in genauen Körpermaßen geformt. Dirk Nowitzki beispielsweise ist wirklich riesig! Erst wenn man direkt vor ihm steht merkt man, was es bedeutet, wenn jemand 2,13 m groß ist. Man kann sich in der Ausstellung sehr genau darüber informieren wie die Replike angefertigt werden. Jedes einzelne ist ein Kunstwerk für sich.

pietjes-audienz

Yoda gewährt einem jungen Padawan eine Privataudienz.

Die Star Wars Ausstellung war natürlich das absolute Highlight unseres Besuches und ist für Fans der Filme ein absolutes ‚Muss‘. die Szenarien sind so realistisch dargestellt, das man sich mit einem Male auf Coruscant wieder findet. Selbst der Blick aus dem Fenster ist bis ins letzte Detail fotorealistisch nach gestellt. Und im nächsten Augenblick stolpert man in einem Gang des Todessterns und sieht sich Darth Vader gegenüber. Wenn wenig Betrieb in der Ausstellung ist und kaum Menschen unterwegs sind, dann kann einem tatsächlich für einen Moment eine Gänsehaut über den Körper laufen. Man ist mitten in den Filmen angekommen. Eines weiß ich: Wenn ich vor dreißig Jahren so ein Event gehabt hätte, ich hätte vermutlich vor Begeisterung geheult. Heutzutage begnüge ich mich mit ein paar Fotos 🙂 

Einen Besuch bei Madame Taussauds empfehle ich vor allem Familien mit Kindern, die filmbegeistert sind. Es macht Spaß durch die Ausstellung zu gehen und so manchem Helden aus Film und Fernsehen oder aus der Welt der Musik und des Sports zu entdecken. Ich auf jeden Fall wünsche viel Spaß und möge die Macht mit euch sein!

Die Fotos, die ihr hier seht, hat Mike gemacht.