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Der grüne Mann

Überall in Irland finden sich Feentore,  Wichtelbrücken und Elfenpfade.

Überall in Irland finden sich Feentore, Wichtelbrücken und Elfenpfade.

Wir erinnern uns: Ich bin in Irland, es ist St. Patrick’s Day und mit meinem Vater stehe ich am Gewässer und fische. Aus sind wir auf Hechte, jene räuberischen Fische, welche hier in den Gewässern aktiv sind. Es ist still. Ab und zu hört man einen Wasservogel. Windstille herrscht. Die Sonne scheint mild, die Luft ist kühl und sauerstoffreich. Es gibt weit und breit keine Zeichen der Zivilisation. Nicht einmal Schafe oder Rinder sind zu sehen. Nur ein Fischreiher fliegt vorbei, uns ignorierend.

Und mit einem Male erscheint der grüne Mann!

Und mit einem Male erscheint der grüne Mann!

Man spürt die Veränderung der Atmosphäre noch, bevor man hört, dass sich jemand nähert. Als ich mich umdrehe sehe ich, dass es drei Hunde sind und die Lady des Landes, die sich auf uns zu bewegen. Fröhlich und freundlich begrüßen uns die Hunde, die Lady, ihr Name ist Sue, sagt ‚Hallo‘. Und ehe wir uns versehen befinden wir uns in einem kleinen Smalltalk über die Gegend und das Angeln. Sue Lady Kilbracken erlaubt nur ausgewählten Anglern auf ihrem Land zu fischen. Das Jagen ist ganz untersagt. Sie hatte in der Vergangenheit Probleme mit fahrlässigen, unfreundlichen und naturschädigenden Menschen. Doch Angler, die von Hans, wo wir wohnen, kommen sind bei ihr stets willkommen. Denn sie weiß, dass bei Hans nur Naturfreunde unter kommen. Kurzerhand läd sie uns ein zu einem Spaziergang, um uns einen kleinen Angelplatz zu zeigen, an dem es sich gut fischen lässt. Wir nehmen die Einladung an und wandern mit ihr los. Vergessen ist die St. Patrick’s Parade in Killeshandra. Das schöne Wetter kitzelt auf der Haut und lockt einen regelrecht in den Wald. Und dann scheint es, als würde Sue etwas einfallen. Sie weicht vom Weg ab, geht hinein in den Wald und weist uns an ihr zu folgen. Sie wolle uns jemanden vorstellen. Mit einem Male dann stehen wir vor ihm, mitten im Wald lächelt er uns entgegen. „The Green Man“, entfährt es mir, freudig überrascht. Und erstaunt sieht mich Sue an, verwundert, dass ich den freundlichen Baummann kenne. Ich gestehe ihr, dass ich ihn schon lange kenne, ihm aber hier noch nicht begegnet sei. Hingegen ein paar Feen, die hier leben, habe ich schon gesehen. Vor allem die, ‚an der kleinen Brücke‘. Hier lebt eine Fee, der ich bereits 1991 begegnet bin und deren Anwesenheit ich stets als sehr angenehm empfinde. So berichte ich Sue. Und sie strahlt mich an und gibt mir einen Hinweis, wo ich den Feenkreis finde, an dem sie sich treffen. Den hatte ich, in der Tat, noch nicht selbst gefunden, denn er ist gut verborgen. Ein paar Wegweiser in der Natur könnten mir den Weg zeigen, so die Wesen der Anderswelt es wollen. Ich bin ganz aufgeregt und würde am liebsten gleich los gehen, aber zunächst geht es weiter, wir suchen noch einen Angelpatz auf. Und auch hier gibt es einen Koboldsitz und der ortsansässige Kobold erlaubt uns auch ein Foto.

Dies ist nicht der ortsansässige Koold! Es ist mein Vater auf dem Hochsitz der kleinen Leute in Irland.

Dies ist nicht der ortsansässige Kobold! Es ist mein Vater auf dem Hochsitz der kleinen Leute in Irland.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang kehrt Sue mit ihren Hunden zurück in ihr Anwesen und lädt uns noch ein nach dem Fischen noch einmal auf eine Tasse Kaffee vorbei zu kommen. Das ziehen wir gerne in Betracht, doch zunächst heißt es zurückzukehren zu unseren Angeln! Es ist einiges an Zeit vergangen und die Parade zum Feiertag sowie die folgenden Festlichkeiten in den Pubs sind längst vorbei oder aber im Gange. Und so lassen wir den Ausflug ins Dorf ausfallen, sondern bleiben an unserem Platz.

Nachdem wir die Angeln wieder neu gerichtet haben lasse ich meinen Vater mal eine Weile alleine und beschließe zu schauen, ob die Feen mir Zugang zu ihrem magischen Platz gewähren. Ich begebe mich auf den Weg, der mir beschrieben wurde, durchschreite den Wald und bin eine ganze Weile unterwegs. Ein Feentor muss ich passieren und eine Pforte. Dann finde ich die Wegmarken, die Sue mir genannt. Klar und eindeutig.

Ich bin willkommen. Den Menschenpfad muss ich nun verlassen und abseits der Wege geht es weiter. Es ist etwas beschwerlich und dornenreich, doch an einigen Stellen weichen die Ranken zurück, als wollen sie mir den Weg weisen. Schritt setze ich vor Schritt. Vorsichtig und bedächtig. Und dann sehe ich ihn plötzlich: Es ist ein magischer Ort. Die Bäume wachsen hier den Energien entsprechend in einem weiten Kreis. Blühende Blumen übersäen hier den Boden, die Luft flimmert, eine dichte energetische Barriere liegt hier. Ich darf eintreten in die Welt der Feen, aber nicht fotografieren. Wie gebannt atme ich die Luft, die hier anders schmeckt. Irgendwie herber, prickelnder, als wäre sie wie mineralisiertes Quellwasser, das leicht mit Kohlensäure versetzt ist. Wie verzaubert sehe ich mich um. Mein Herz klopft aufgeregt. Nach nunmehr 24 Jahren heißen mich die Feen unter sich willkommen. Ich stehe in ihrer Mitte. Es ist still und zugleich liegt ein Flüstern und Lachen in er Luft. Wie lange ich hier bin, ich weiß es nicht. Es klopft mit einem Male in meinem Hinterkopf. Es ist die erinnernde Stimme, die mich mahnt nicht zu lange in der Anderswelt zu verweilen! Ich verabschiede mich und kehre zurück zu meinem Vater. Für dieses Mal habe ich genug erlebt!

Verzaubertes Irland

Verzaubertes Irland

Es geht weiter… beim nächsten Mal mit einer zauberhaften Fahrt!

 

Das grüne Einhorn

Ganzjährige Pilze - so etwas kann man hier in den Wäldern finden.

Ganzjährige Pilze – so etwas kann man hier in den Wäldern finden.

Es ist St. Patrick’s Day. Ich bin in Irland. Die Sonne strahlt vom Himmel. Am Mittag wird es eine Parade zum irischen Feiertag  in Killeshandra geben und wir haben vor die Parade zu besuchen. Allerdings lockt das herrliche und ungewohnte Sonnenwetter uns schon früh hinaus, um Angeln zu gehen. Die Luft riecht frisch, nach Frühling. Obgleich es noch recht kühl ist, bescheren uns die Sonnenstrahlen ein Empfinden von angenehmer, milder Wärme, die den kommenden Frühling kündet. Wir packen unsere Sachen im Wagen zusammen und dann fahren wir rüber nach Killegar, einen kleinen Nachbarort, der für sein jährliches Pilz-Festival bekannt ist. Unser Ziel jedoch sind nicht die Pilze – die man tatsächlich selbst in dieser Jahreszeit dort findet – sondern die fischreichen Gewässer.

Ein grünes Einhorn springt über das Gemäuer. Krafttier des Hauses Kilbracken.

Ein grünes Einhorn springt über das Gemäuer. Krafttier des Hauses Kilbracken.

 

Hier sind wir schon oft unterwegs gewesen. Und dennoch passiert es uns, dass wir im Wald unsere Abfahrt verpassen. Kein Wunder, denn die Pfade hier sind nicht zu vergleichen mit unseren Straßen. Es sind schichte Feldwege, zuweilen umwuchert. Und mit einem Male stehen wir mit dem Wagen vor einem grünen Einhorn. Es galoppiert über die Hofwand des weiten Anwesens, in dessen Hof wir gelandet sind. Wir sind bei der Lady dieser Ländereien gelandet. Neben eines Einhornes hat sie Hunde, die uns fröhlich begrüßten und sich an unserem Wendemanöver erfreuen. Mir aber hätte klar sein müssen: Ein Einhorn am Morgen sorgt für veränderte Pläne zum Tage! Zuweilen betritt man die Anderswelt, ohne es direkt zu merken…

Vom Sturm gefällt und mehrfach geborsten...

Vom Sturm gefällt und mehrfach geborsten…

Unser Ziel ist eine kleine Feenbrücke, die ich sehr liebe. Sie führt uns über den Einlauf des hier liegenden Sees auf eine Wiese, auf der das satte Grün schon jetzt lockt. Von hier aus kann man die Luft und das Fischen genießen. Nachdem wir mit dem Wagen unseren Pfad gefunden haben, folgen wir den gewohnten Wegen. Doch heute bleibt uns der Weg zur Feenbrücke mit dem Wagen versperrt, denn ein beim letzten Sturm geborstener Baum versperrt die Zufahrt.

Einen Moment lang überlegen wir, ob wir hier halten sollen und den letzten Kilometer laufen sollen, doch wir haben zu viel Material mit dabei. Und so machen wir kehrt und lassen uns am Auslauf des gleichen Sees nieder. Die Sonne lockt, das Wasser ist ruhig, die Luft klar. Ein grünes Einhorn galoppiert hinter uns vorbei. Und obgleich ich es merke, ist mir in dem Moment noch nicht klar, dass an diesem Tag noch einige erstaunliche Begegnungen und Orte auf mich warten sollen… Was soll man auch anderes erwarten – auf der Insel der Feen?Windstill und ruhig liegt das Gewässer vor uns.

Windstill und ruhig liegt das Gewässer vor uns.

In meinem nächsten Beitrag berichte ich Euch von einer weiteren, bemerkenswerten Begegnung und lasse Euch wissen, wie der St. Patrick’s Day weiter verlief…

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