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Eine Fledermaus macht noch keinen Frühling… oder?

Darauf freue ich mich in jedem Jahr von Neuem: verzauberte Fluss-Landschaften, nur mit dem Boot erreichbar.

Darauf freue ich mich in jedem Jahr von Neuem: verzauberte Fluss-Landschaften, nur mit dem Boot erreichbar.

Wenn das Wetter es zulässt, dann mache ich in Irland sehr gerne mit meinem Vater zusammen Bootstouren. Dabei fahren wir mit einem Ruderboot über die Seen, fahren von einem See in den nächsten und erreichen so auf dem Wasserweg Gewässer, die nicht mehr vom Ufer aus erreichbar sind. Manche liegen im Moor, manche liegen in unzugänglichen Gelände. Auf diese Bootstouren freue ich mich jedes Jahr von Neuem!

Ein umgefallender Baum und allerlei Treibgut, welches sich in ihm verfangen hat, stoppen unsere Bootstour.

Ein umgefallener Baum und allerlei Treibgut, welches sich in ihm verfangen hat, stoppen unsere Bootstour.

Doch in diesem Jahr sollte uns eine unschöne Überraschung erwarten. Schon nach wenigen Kilometern entdeckten wir im Flusslauf einen umgestürzten Baum, der uns die Weiterfahrt verwehrte. Also hieß es das Boot umdrehen und – gegen den Strom – wieder zurück in den Ursprungssee fahren, um dort später anlegen zu können. Klingt ja ganz locker, aber… habt ihr schon einmal versucht ein Ruderboot mitten im Flusslauf gegen den Strom zu wenden? Das geht naturgemäß nicht. Und so mussten wir an Ort und Stelle versuchen eine ‚Anlegestelle‘ zu finden, um erst einmal Abstand zum Hindernis, welches uns blockierte, gewinnen zu können. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir waren etwa zweieinhalb Stunden damit beschäftigt das Boot zu einem Flussufer zu bekommen, meinen Vater aussteigen zu lassen (allein das ein Abenteuer für sich) und dann mit dem Seil zum Vertäuen das Boot zu wenden und dann Stück für Stück den Fluss rauf zu ziehen, bis es wieder flott war. Danach waren wir beide nass geschwitzt und froh, dass wir eine gute Kanne Tee und Kekse mit dabei hatten, denn als nächstes hieß es: Das Boot gegen den Strom zurück in den Ursprungssee zu rudern… Nein! Das wäre tatsächlich bei der verhältnismäßig starken Strömung für uns Un-Sportskanonen kaum machbar gewesen. Unsere Rettung war der kleine Elektromotor für Notfälle, den wir mit dabei hatten.

Ein anderes Ereignis hatte nicht uns, sondern einen kleinen Kobold in Not gebracht. Hierbei wissen wir gar nicht wie die Vorgeschichte lief, aber als wir an unserem letzten Nachmittag von einem unserer Bootsausflüge zurück zur Anlegestelle kamen und ausstiegen, da fanden wir an unserem Auto ein hilfloses, kleines Geschöpf vor. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Lange vor der Tag- und Nachtgleiche saß vor uns eine winzige, zitternde Fledermaus, die sich offensichtlich sowohl in der Temperatur als auch in der Tageszeit geirrt hatte.

Da braucht jemand dringend Hilfe!

Da braucht jemand dringend Hilfe!

Fledermäuse, die sich bei so geringen Temperaturen bereits draußen aufhalten und dies am hellen Tag, sind in Lebensgefahr. Auch das Hocken am Boden ist untypisch für diese kleinen Kerle, da sie aus dieser Position nicht immer unkompliziert starten können. Das dieser kleine Kobold sich nicht wohl fühlte, das erkannten wir sofort. Mein Vater fürchtete schon, dass wir eine Beerdigung organisieren müssen, doch es kam glücklicherweise anders!

Natürlich ist der Wunsch so ein kleines Kerlchen in die Hand zu nehmen oder zu streicheln nachvollziehbar. Doch dies sollte man tunlichst vermeiden! Hier auf dem Festland auch aus gesundheitlichen Gründen, aber eben auch, um so ein Tier nicht übermäßig zu ängstigen. Und manchmal hilft eine kleine ‚Starthilfe‘ schon aus. Glücklicherweise wussten wir, das der kleine Flattermann seine Wohnstätte nur 20 Schritt von unserer Anlegestelle entfernt hatte. Denn dort befand sich die Ruine eines alten Hauses. So suchte ich ein Stück flaches Holz und schob es sachte dem Kobold unter das Köpfchen. Die Wirkung dieses Berührung wirkte Wunder! Der kleine Kerl hob den Kopf und begann die Flügel zu strecken. Keine zwanzig Sekunden später schaffte er den Start und weg war er – in Richtung Heimstatt. Wie schön!

Irland ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Ich bin gespannt, was uns im nächsten Jahr erwartet…

Es kehrt wieder Leben in den kleinen Flattermann

Es kehrt wieder Leben in den kleinen Flattermann

 

 

Eine grüne Fahrt

Strahlender Sonnenschein und Windstille. Das gibt es in Irland selten!

Strahlender Sonnenschein und Windstille. Das gibt es in Irland selten!

So oft ich schon in Irland gewesen bin, so war es diesmal das erste Mal in 24 Jahren, in denen ich Irland praktisch regenfrei erlebt habe. Während unseres Aufenthaltes auf der grünen Insel schien durchgehend die Sonne. Und so konnten wir in diesem Jahr unsere obligatorische Bootsfahrt über die Seen bei strahlendem Sonnenschein machen. Dies ist wirklich etwas besonderes, denn für die Insel ist eigentlich Regen an der Tagesordnung und ein Tag ohne Regen ist äußerst rar! Wir hatten sechs dieser Tage (und an den anderen Tagen so leichten Nieselregen, dass man ihn kaum bemerkte).

So oder so - wir müssen hier durch. Irgendwie...

So oder so – wir müssen hier durch. Irgendwie…

Für unsere Fahrt nehmen wir ein Ruderboot und lassen es uns an einen der uns bekannten Seen legen. Das Boot beladen wir dann mit allem, was wir an einem Tag so brauchen, also in erster Linie Angelzeug und Whisky. Und dann geht es los, über den See, durch die Kanäle, welche die Seen hier untereinander verbinden, in den nächsten Tümpel und so immer weiter, bis wir wieder die Nähe der Heimat erreicht haben. An den Stellen, an denen wir Hechte vermuten, gehen wir vor Anker, dösen in der Sonne und Angeln.

Das klingt vermutlich alles sehr romantisch, entspannend und wunderbar, nur: Obgleich wir die Bootstouren fast jedes Jahr unternehmen, sind sie immer wieder ein neues Abenteuer. Denn wir wissen in der Regel nicht was uns erwartet. Die Herbststürme haben in diesem Jahr auch den Winter erfüllt, und so wissen wir nicht im Voraus, ob die Kanäle wirklich so frei sind, wie wir hoffen. Natürlich haben wir uns im Vorfeld sehr gut erkundigt und man versprach uns „Freie Fahrt“. Doch das soll nichts heißen… Nicht selten kommt es vor, dass man dennoch auf einen umgestürzten Baum, hinderliches Astwerk oder andere obskure Barrieren trifft.

In Schlauch im Fluss, mit solchen Hindernissen muss gerechnet werden! auftreten.

Ein Schlauch im Fluss, mit solchen Hindernissen muss gerechnet werden!

In diesem Jahr verläuft unsere Fahrt allerdings sehr gut und entspannt. Das liegt vielleicht auch daran, dass mein Vater am Steuer saß und ich nur die Fahrt genießen brauchte. Lediglich überwucherndes Astwerk und ein obskurer Schlauch (für die Viehtränken) beschäftigen uns kurzfristig. Ansonsten können wir die Fahrt, die frische Luft und die wunderbare Sonne genießen. Und so wundert es kaum, dass wir an diesem Tag recht schaffend hungrig wieder zurück nach Hause kommen. Wie gut, dass wir erfolgreich waren und uns unser Abendessen selbst gefischt haben! Mit Lauch und Sellerie gefüllter Hecht ist eine richtige Delikatesse, und wir haben sie uns verdient!

Guten Hunger!

Guten Hunger!

Für dieses Jahr endet mein Irland-Bericht hier. Im nächsten Jahr hoffen wir mit mehr Leuten reisen zu können. Und dann werde ich an dieser Stelle wieder berichten von der grünen Insel der Feen!