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Herbstmelancholie

17.11.2019

Nebelmond

Alles vergeht.
Alles verweht.

Hinter dem Horizont
liegt die Unendlichkeit.
Ich bin nur Gast 
auf dieser Welt,
ein Pilger durch die Lebenszeit.
Um mich zerfällt
was einst geboren.


Alles stirbt

Alles verdirbt.
Wo einst Lebenskraft
und Bewegung,
da kommt Siechtum, Krankheit,
Tod.
Geliebte Wesen sterben,
werden zu Grabe getragen,
vergehen. 

Alles lebt.
Alles vergeht.
Ich sehe durch die Zeit,
und spüre die
Vergänglichkeit.
Am Ende bin auch ich
weniger als
ein Wimpernschlag 
im Gestade der Unendlichkeit.

So muss es sein,
wir sterben allein…

Curtis Nike, 11/2019

Auf den Friedhöfen am Halleschen Tor.
Foto:
LiBella
Model: Curtis Nike

Keine Karten aus Irland

29.03.2018

Alt und knotig ist der Feenbaum, nahe einer meiner Lieblingsangelstellen.

Normalerweise erhalten meine Freunde, Bekannten und Verwandten in jedem Jahr Postkarten aus Irland. Zusammen mit meinem Vater schreiben wir an die 50 (sic!) Karten, die sich dann auf den Weg machen die Empfänger zu beglücken. Das letzte Mal hatte ich sogar Fotos aus Irland als Fotokarten drucken lassen und extra mit genommen, um sie dann zu versenden. In diesem Jahr gab es leider keine Karten aus Irland. In meiner kurzen Urlaubszeit ziehe ich mich ja in der Regel komplett zurück, lasse weder Internet noch Telefon an mich ran und selbst enge Freunde von mir wissen nicht einmal die Anschrift des Ortes, an dem ich mich befinde. Und da ich diesmal mein Adressbuch zu Hause vergessen hatte, konnte ich auch nur eine Hand voll Karten versenden, nämlich an die Menschen, deren Anschriften ich im Kopf hatte. Und dies sind die engsten Verwandten. Eine einzelne Karte ging an die Besucher des Phoenix-Camps, die sich – während ich in Irland war – mit der irischen Schutzgöttin Brigid befassten. Als Trost für die, die leer ausgegangen sind, gibt es hier noch einige bildliche Impressionen.

Rundturm, rechts daneben mein Vater.

In diesem Jahr waren wir recht umtriebig in Irland und haben einige neue Orte gefunden und erforscht. Dabei haben wir einen kleinen Friedhof gefunden, der in einer atemberaubend schönen Lage, leicht erhöht über einer Seenlandschaft liegt. Leider sah ich mich nicht im Stande die Schönheit der Aussicht auch auf einem Foto fest zu halten. Ihr müsst mir einfach so glauben, dass es ein sehr schöner und ansprechender Ort war – wenn man denn (so wie ich) einen Faibel für alte Friedhöfe, irische Landschaften und sprechende Orte hat. Auch die irischen Rundtürme haben etwas für sich, bei den Überresten der zerstörten Abby fanden wir ein sehr schönes und gut erhaltenes Exemplar. Türlos. Und hier kommt die Rätselfrage: Wie kommt man hinein? Weiß es jemand von Euch? Wer das Rätsel löst, bekommt eine Irland Postkarte von mir (allerdings von Berlin aus abgeschickt).

Ein typisch irisches Grab mit irischem Kreuz.

Diesmal mußtet ihr ein paar Tage zu lang auf meinen Irland Artikel warten. Dies liegt daran, dass ich ziemlich krank geworden bin und ein paar Tage lang komplett im Bett liegen mußte. Auch jetzt schreibe ich noch im Schlafanzug und Hausmantel, aber mir geht es glücklicherweise schon besser. Der letzte Irland Bericht, in dem ich Euch auch meinen Fang des Jahrzehnts (!) – möglicherweise auch meines Lebens – präsentiere folgt dann – samt Auflösung der Rätsel, welche die Irlandberichte aufgeworfen haben – zeitnah!

Bleibt mir gewogen!

Die Friedhöfe am Halleschen Tor

Ein Ausflug in die Stille der Friedhöfe.

Ein Ausflug in die Stille der Friedhöfe.

Da ich als glückliche Stadthexe selbst in Kreuzberg lebe, möchte ich Euch heute einen Ort vorstellen, an dem man mich gelegentlich antrifft. In der Regel bei einem Spaziergang, um ein bisschen der Unruhe der Stadt zu entkommen. Der Ort liegt mitten in Kreuzberg und ist für mich eine persönliche Oase der Ruhe und der Kraft. Es handelt sich um die Friedhöfe vor dem Halleschen Tor.

Umgeben von den dicht befahrenen Autostraßen Mehringdamm, Blücherstraße und Zossener Straße (und der etwas ruhigeren Baruther Straße) umfasst die Friedhofsanlage am Halleschen Tor mehrere Friedhöfe, die miteinander verbunden sind. Berlinreisende begegnen dieser Friedhofsanlage oft in ihren Reiseführern. Unter anderem sind zahlreiche Mitglieder der Familie Mendelsohn hier bestattet und im letzten Jahr hat auch eine Dauerausstellung über die Familie in der Trauerkapelle auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof eröffnet. Doch dies ist nicht der Grund, weshalb ich diesen Ort so sehr schätze. Vielmehr ist es die Tatsache, dass man hier, sobald man durch die Eingangspforte tritt, den Stress und Lärm des Alltages hinter sich lässt. Das stetige Rauschen des Straßenverkehrs, das Hupen der Autos verstummt beinahe schlagartig hinter den Friedhofsmauern. Die Luft ist frisch und klar, Vogelgezwitscher erfüllt die Baumwipfel. Wer sich Zeit und Ruhe mit bringt, um eine Weile zu rasten, wird bald Eichhörnchen, Kaninchen oder gar den Fuchs beobachten können.

Die Grabanlagen machen durchweg einen gepflegten Eindruck und es gibt auch noch alte Grüfte, die leider zum Teil schon sehr von Zahn der Zeit gezeichnet sind. Dennoch lohnt es sich einen Blick über die Grabsteine und die Steinmetzkunst, die sich in ihnen ausdrückt. Neben faszinierenden und aufwändig gestalteten Grabsteinen und Skulpturen finden sich, für das geübte Auge, auch Hinweise auf Logengräber.

Das Grab E. T. A. Hoffmanns

Das Grab E. T. A. Hoffmanns

Bedauerlicherweise wurde der älteste Teil der Friedhöfe für den Bau der Amerika Gedenkbibliothek – die im übrigen auch einen Besuch wert ist – und die Blücherstraße eingeebnet. Dennoch befinden sich auf den Friedhöfen auch heute noch einige alte bis sehr alte Gräber und Grabstätten bekanner Persönlichkeiten. Und so kann es passieren, dass ich einer meiner Leidenschaften nach gehe, während ich über den Friedhof schlendere. Ich lausche einem Hörbuch oder Hörspiel, verfolge die spannenden Geschichten rund um den Magnetiseur oder den Sandmann und freue mich daran, dass ein so wunderbarer Künstler wie E. T. A. Hoffmann einmal hier in Berlin gelebt und gewirkt hat und uns seine eindringlichen Werke hinterlassen hat. Hoffmann ist auf dem Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde bestattet und ich gehe an seinem Grab vorbei und grüße ihn, dankbar für seine Geschichten. Sein Grabstein trägt die Aufschrift E. T. W. Hoffmann (Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann), da das Pseudonym E. T. A. (Ernst Theodor Amadeus) seinerzeit amtlich nicht zulässig war.

Wer E. T. A. Hoffmann ebenfalls einen persönlichen Gruß hinterlassen möchte und vielleicht einen Ausflug in eine grüne Oase plant, dem empfehle ich einen Besuch der Friedhöfe vor dem Halleschen Tor unbedingt.

Erreichbarkeit:

Die Friedhöfe sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar. Es empfiehlt sich die Linie U6 oder U7 bis zur Station ‚Mehringdamm‘ zu nehmen. Zwei Eingänge zum Friedhof liegen direkt am Mehringdamm.

Wer mit dem eigenen Auto oder Motorrad kommt findet an der Seite ‚Baruther Straße‘ gratis Parkplätze. Von hier aus muß jedoch der Friedhofseingang an der Zossener Straße oder einer der Zugänge am Mehringdamm genutzt werden.

Um das Grab von E. T. A. Hoffmann zu erreichen geht man am besten durch den Haupteingang am Mehringdamm (das große, gusseiserne Tor neben dem Blumenfachhandel) und folgt nun geradeaus dem Hauptgang, bis ein weiterer Hauptgang links ab geht, hier einbiegen und man steht nach wenigen Schritten vor einer großen Kastanie (linksseitig). Nun wendet man den Blick nach links und findet das Grab, etwas zurück liegend in zweiter Reihe.

Öffnungszeiten:

Der Friedhof ist stets ab 8.00 Uhr geöffnet! In dem Monaten März bis Oktober schließt er um 20.00 Uhr, in den Wintermonaten bereits um 17.00 Uhr!

Die Öffnungszeiten sind unbedingt zu beachten, denn der Friedhof wird abgesperrt und wenn man eingesperrt wird, dann kann es sehr mühseelig sein über die Tore oder Mauern klettern zu müssen. Ohne Hilfe kann man sich dabei ganz schön verletzen!

 

Eine schöne Skulptur findet sich auf einem der Familiengräber der Familie Siemens.

Eine schöne Skulptur findet sich auf einem der Familiengräber der Familie Siemens.