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Der Mann, der keine Geschlechter kennt

17.05.2018

Vorbemerkung: Die folgende Geschichte hat sich so und zwar GENAU SO abgespielt. Ich war zwar persönlich nicht mit dabei, aber Loki war dabei. Und er hat sie mit meinen Fingern geschrieben und mir bestätigt, dass es so war und nicht anders! Ganz sicher! Ungelogen!

Dieses verlängerte Wochenende sollte ein ganz besonderes für Familie E. aus der Stadt werden. Vater E. hatte sich extra einen Brückentag von seiner harten Arbeit als Manager eines großen Unternehmens genommen. ‚Christi Himmelfahrt‘ machte es möglich. Mutter E. hatte ihn dazu überredet. Die gemeinsame Tochter wünschte sich ein Wochenende in der Natur mit ihren Eltern. Eine Wanderung sollte es werden, sie sollte durch den schönen Harz führen und man wollte es schlicht halten. Übernachtet werden sollte in Jugendherbergen. Ausnahmsweise. Der Tochter zu Liebe. Gemeinsam als Familie wollte man abtauchen in die Natur. Mal ganz entspannt wandern, spazieren, schlicht übernachten und sich der Natur öffnen. Frau E. hatte sich dafür extra neue Schuhe gekauft. Herr E. hatte sich komplett neu eingekleidet für dieses echte Outdoor-Abenteuer. Am Tag vor dem großen Ereignis gönnte er sich noch eine schöne Vatertagstour um Kraft für die familiäre Pflichtveranstaltung zu tanken. Und so wanderte die kleine Familie am Freitag motiviert los…

Merkwürdige, verstörende Zeichen zierten die Toilettentüren.

An jenem Freitag, es war kein dreizehnter, sondern ein elfter, war das Wetter angenehm. Obgleich sich immer mal wieder Wolken vor die Sonne schoben, blieb es weitestgehend trocken und die Temperatur war für das Wandern im Wald optimal. Die frische, klare Waldluft war voller Sauerstoff und duftete nach allerlei Gehölz. Für die Städter war die Wanderung schon ein besonderes Erlebnis, aber auch ein bisschen ungewohnt, und sie waren zugegebenermaßen froh, als sie ihre zukünftige Jugendherberge – in der sie ein Zimmer reserviert hatte – nach Stunden des Gehens endlich vor sich sahen. Da war es, das Haus, ein Naturfreundehaus. Erstaunt stellten sie fest, dass vor dem Haus unzählige Fahrzeuge parkten. Automobile mit Kennzeichen aus dem ganzen Bundesgebiet waren da und dann hörten sie auch schon seltsame, tiefe, vibrierende Laute die aus dem Erdgeschoss des Gebäudes drangen. Beim näher kommen bemerkten sie, dass es wohl Trommeln waren, die rhythmisch geschlagen wurden. Trommeln. Im Harz. Wie merkwürdig. Vorsichtig näherten sie sich dem Haus. Da tanzte eine Frau an ihnen vorbei, in einem bunten, irgendwie seltsam anmutenden Gewand, welches hinter ihr her wehte und sie summte und sang vor sich hin. Gesang! Einfach so! Ob sie eine Angestellte des Hauses war? Oder etwa eine Musikerin? Oder gar eine, die Lieder aus der Luft einfängt? Hatte sie etwa ein Schmetterlingsnetz dabei? Doch sie war schon vorbei und die Familie konnte sich nicht erinnern, ob sie ein Netz hatte. Es wäre auch irgendwie seltsam gewesen. Aber wo kam nur diese absurde Idee her, dass die Frau Lieder mit einem Netz fängt???
Wie dem auch sei, es war äußerst suspekt. Vorsichtig betraten sie das Haus. Rhythmischen Trommeln erfüllte die Luft. Aus den oberen Stockwerken hörten sie Gelächter. Was ist hier nur los?
„Guck mal da“, irritiert zeigte die Tochter, ein Teenager, auf die Tür zum WC, da ist ein komisches Schild angebracht, „was soll das denn heißen?“

Kennen Sie diesen Mann? Er gilt als gefährlich lustig und erschreckt im Harz wandernde Muggel durch suspekte WC-Schilder und Sexlosigkeit! Ausserdem steht er unter dringendem Verdacht mit Loki im Bunde zu sein!

Doch ehe Familie E. sich darüber klar werden konnte polterten Schritte die Treppe hinunter. Ein zunächst sehr freundlich wirkender Mann kam auf sie zu.
„Hallo“, begrüßte er sie erfreut, „Sie sind bestimmt die Mugg… äh… Familie, die hier für heute Nacht ein Zimmer reserviert hat, oder?“ Er strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
„Ähm. Ja“, Familie E. war leicht verunsichert, weitere Personen kamen die Treppe hinunter. Lachend, singend, summend. Manche hatten Blumen im Haar, andere bemalte Gesichter (!!!) und wieder andere hatten Nasenpiercings. Nasenpiercings! Im Harz! Man stelle sich das mal vor!
Die meisten Leute gingen vorbei, nur eine im ersten Moment harmlos wirkende Frau blieb neben dem Mann stehen und lächelte. Sie war, so findet die Familie, irgendwie komisch gekleidet, so gar nicht in Jeans und T-Shirt, sondern mehr… naja, hippiemäßig irgendwie. Oder waren das Yogasachen? Obgleich, das passt auch nicht so ganz. Irgendetwas an ihr war komisch, war anders. Nur was?
„Was sind denn das für Schilder?“ fragte Frau E., ihre Stimme klang schriller als gewollt, und sie zupfte unwillkürlich nervös an einem ihrer Perlenohrringe. Herr E. klammerte sich an seinen Rucksack.
„Ach, die Kloschilder“, der Mann machte eine wegwerfende Handbewegung, „keine Sorge. Wir haben nur die sanitären Anlagen für alle Geschlechter geöffnet.“
Irritiert sahen die Wanderer den Mann an, er war bei genauerem Hinsehen jetzt irgendwie doch sehr seltsam. Diese scheinbar freundliche Stimme, dieses lächelnde Gesicht. Da stimmte doch was nicht! Hatten sie sich verhört?
„Was soll das bedeuten?“ fragte Frau E. unsicher, „das heißt doch nicht etwa, dass Männer auf das Frauenklo gehen, oder?“ Sie konnte nicht verhindern, dass ein Gefühl des Entsetzens in ihr aufsteigt. Männer sind doch gar nicht in der Lage ein Klo vernünftig zu benutzen! Ständig pinkeln sie daneben und machen alles dreckig. Zuhause muß sie dann immer alles weg wischen. Männer sind ja generell nicht in der Lage zu Putzen. Aber wie war das hier, unter diesen seltsamen Leuten… sie scheinen ja das ganze Haus besetzt zu haben! Was sind das nur für Gestalten? Putzen die Frauen ständig den Männern hinterher? Irgendwie wirkten die Leute hier so… unbeteiligt an den wirklichen Problemen der Welt. Sie sahen komisch aus, verhielten sich komisch und wirkten wie aus einer anderen Welt.
Der fremde Mann spürte natürlich die Unruhe der Neuankömmlinge und machte eine beschwichtigende Geste, „keine Sorge, die WCs und Duschräume sind ja bei Bedarf abschließbar. Und sehen Sie“, er lächelte beschwichtigend, „wir sind in unserer Gemeinschaft offen für alle Geschlechter. Manchmal gibt es ja Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht ihres Körpers identifizieren können, und wir sind da eben total barrierefrei. Jeder kann jedes Klo benutzen ohne sich immer fragen zu müssen ‚welches Klo darf ich denn benutzen?'“, und da er bemerkte wie unruhig, ja erschrocken die Neuankömmlinge auf seine Ausführungen reagierten, fügte er rasch erklärend hinzu: „Das hat natürlich alles nichts mit Sex zu tun!“
„Ähm ja, wir wollten eh noch essen gehen“, sagte Herr E. und versuchte gelassen zu klingen. In Wahrheit stieg nackte Panik in ihm auf.
„Prima, Sie können Ihr Gepäck schon hier lassen, es gibt einen Aufbewahrungsraum“, sagte der freundliche Mann und möchte ihnen den Weg weisen. Doch Familie E. dankte freundlich und erklärte, dass man 
dann am Abend wieder zum Einchecken komme . Fluchtartig verließ die Familie das Haus des Schreckens.

Unvorstellbar! Ein Klo für alle! Frauen, Männer, Kinder und selbst Loki kann es benutzen!

Stellen wir uns vor, dass zu diesem Zeitpunkt Curtis die Treppe runter kommt. Sie sieht ihre beiden Hexenfreunde im Flur stehen. Ihr Kumpel von den Holunderschwänen guckt verdutzt, die Kollegin aus Hamburg, die gar nicht in Hamburg wohnt, grinst.
„Was ist los?“ fragt Curtis erstaunt.
Die Hexe kichert, lacht dann, es kommt tief aus ihrem Inneren, „gerade waren die Muggel da, die heute Nacht hier übernachten wollen. Mr. T. hat ihnen aber achtsam und zugewandt erklärt, dass wir eine Transgender-Gruppe sind, zusammen duschen, aber keinen Sex haben.“
„Stimmt ja gar nicht“, entfährt es dem Mann, der keine Geschlechter kennt, „ich wollte nur unsere Kloschilder erklären.“
„Aha“, eine Augenbraue wird in die Höhe gezogen, „sehr aufmerksam von Dir. Und wieso hast Du nicht einfach gesagt dass wir Hexen sind? Ich meine die erwartet man doch im Harz“, möchte Curtis erstaunt wissen, „und die hätten doch schön unsere Winkelgasse leer kaufen können.“
„Ich wollte die Muggel doch nicht verschrecken!“ erklärt unser Mann im Brustton der Überzeugung. 

Familie E. kehrte nie wieder zurück in das Naturfreundehaus. Sie konnten kaum glauben, was sie erlebt hatten. Sie waren im falschen Film gewesen. Diese seltsamen Leute dort mussten einen Knall haben, vermutlich waren sie psychisch schwer gestört und vielleicht sogar gefährlich. Und so flohen die Muggel in ein **** Hotel mit einem eigenen Bad und einem Aussenklo in der Lobby des Hotels für Herrn E. Hier wurden sie bekocht und versorgt. Trommeln gab es nicht, auch keine bunten Gewänder. Das Hotel hatte sogar eine Sauna – nach Geschlechtern getrennt. Denn eines ist klar: Wenn es um Geschlechter geht, hat alles mit Sex zu tun 😉

Heute schlagen die Hexen im Harz ein…

16.05.2018

Am Thorstag, einem Feiertag, bin ich angekommen im Harz in meiner Reclaiming-Hexengemeinschaft. Trotz der anstrengenden Fahrt, die mich sehr erschöpft hat, springt mir das Herz und ich freue mich sehr endlich wieder Schwestern und Brüder zu treffen, die ich zum Teil sehr lange nicht mehr gesehen habe. Wir haben uns für unser Treffen ein Naturfreundehaus ausgewählt, dass sehr schön gelegen ist und unsere Organisationshexen haben dafür gesorgt, dass wir uns gleich willkommen fühlen. Die Zimmertüren sind mit Namensschildern und den Symbolen unserer jeweiligen Hexengemeinschaft oder mit Hexensymbolen geschmückt, die sanitären Anlagen sind – wie es im Reclaiming in den USA üblich ist – unisex. Man sollte meinen, dass dies nicht von besonderem Belang ist, aber ich erwähne es schon einmal, weil es in einem späteren Beitrag noch eine Rolle spielen soll. 

Schmuck, Aufnäher, Zauberhaftes – dies findet man in der Aussenstelle der Winkelgasse: Hier ein Ausschnitt des Standes einer Holunderschwan Hexe

Den ganzen Nachmittag über bis in den Abend hinein werden nach und nach die Hexen aus dem deutschsprachigen Raum eintreffen. Die Veranstaltung startet am Abend offiziell mit einem ersten, gemeinsamen Abendessen und setzt sich in den späteren Stunden mit einem Gemeinschaftsritual, auf das ich mich schon sehr freue, fort. Doch bis dahin ist noch einiges an Zeit und ich kann mich derweil einer meiner Lieblingsbeschäftigungen zuwenden: Standaufbau. Ich liebe es meinen Zauberstand auszupacken und zu dekorieren. Das Vorbereiten und Aufbauen meiner magischen Arbeiten ist mir viel wichtiger als der spätere Verkauf. Dadurch habe ich das erstaunliche Talent an den Ständen meiner Kollegen oftmals mehr Verkäufe zu erzielen als bei mir selbst – weil ich an meinem Stand so selten anzutreffen bin. Vielleicht sollte ich mein Geschäftsmodell überdenken 😉 . Wie dem auch sei: Schon seit Wochen bin ich dabei neue und gewohnte Zaubereien vorzubereiten: Pins mit magischen Motiven, bunte, runde Broschen, Umschläge mit Zauberpulvern, magische  Phiolen mit Zaubersalzen, Aufkleber für das Buch der Schatten, zauberhafte Postkarten und natürlich Kerzen, Kerzen, Kerzen. Und so freue ich mich besonders, dass eine der Holunderschwäne meine ‚Aufbaubegeisterung‘ teilt und wir gemeinsam abdriften in das Gestalten der Aussenstelle der Winkelgasse. Es macht so viel Spaß! Und während wir versunken sind in unser Wirken entsteht ein magischer Büchertisch, eine Pflanzentauschbörse und dann kommt auch noch die wunderbare Pearl mit ihrem Zauberwurzelwerk dazu! Leute ganz ehrlich: Bei dem Angebot kann man sich den kostspieligen Ausflug in die Londoner Winkelgasse fast sparen.

Mein kleiner, magischer Stand. Man beachte den Zeitumkehrer (rechts neben der Lokikerze), der von der Holunderschwan-Hexe mitgebracht wurde und sehr oft im Einsatz war.

Für mich ist das Aufbauen und Dekorieren des Standes auch ein Teil ‚Ankommen‘ und so komme ich in aller Ruhe im Harz an und freue mich wenig später darüber meinen lieben Zaunköniginnen, die mit einem zweiten, umfassenderen Fahrzeug aus Berlin angereist sind, in die Arme zu laufen. Fünf von uns Zaunköniginnen werden hier mit dabei sein, wobei eine erst morgen anreist, und sogleich nehmen auch die Ankömmlinge ihre Betten in Beschlag und unsere hoch motivierte Freundin der Walrosse beginnt auch gleich einen Zimmeraltar zu gestalten.

Der Zimmeraltar der Zaunköniginnen. So bunt wie wir!

Ihr merkt es an allen Ecken und Winkeln: die Hexen sind im Harz eingeschlagen… und morgen kommen die Muggel… Aber dies ist eine andere Geschichte und sie soll morgen erzählt werden. 

Abenteuer in der Muggelwelt: Opfer oder Täter?

Die letzte Woche meines diesjährigen Urlaubes verlief stressig und leicht verstörend. Wir erinnern uns: Mein Neffe ist Gast in meinem Hexenheim. Wir verbringen die Urlaubszeit damit zu zaubern, ich lehre ihn ein paar Tricks und Rezepte und ansonsten gehen wir ins Kino, züchten ein paar Drachen nebenher und genießen das wunderbare Sommerwetter. Klingt traumhaft, wenn nicht… ja, wenn ich nicht letzten Freitag Opfer einer Straftat geworden wäre, die mich ziemlich durcheinander geschüttelt hat. Und das kam so:

Ich besitze einen kleinen Zweisitzer für die Stadt. Hexen erscheint er in der Regel als schnittiger Besen, Muggel erkennen ein smartes, gelbes Auto. Da ich ja in der Großstadt Berlin lebe, habe ich ihn ordnungsgemäß gemeldet, sowohl beim Bundesamt für magische Wesen als auch beim hiesigen Straßenverkehrsamt. Aus diesem Grunde führe ich an meinem smarten Besen ein amtliches Kennzeichen, umgangssprachlich als Nummernschild bezeichnet. Dazu bin ich verpflichtet, auch als magischer Bürger der Stadt. Als ich nun letzten Freitag, kurz vor dreizehn Uhr, mit meiner Mutter von einem Ausflug in die kulinarische Welt meiner schönen Heimatstadt zurück kam, da erlebten wir eine böse Überraschung: Meinem smarten Gefährt waren die amtlichen Kennzeichen entwendet worden. Ja, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Standard-Schutzzauber nicht erneuert hatte. Als aufgeklärte Hexe und Bürgerin dieser Stadt wusste ich jedoch genau, was zu tun ist! Umgehend informierte ich – zunächst telefonisch – die zuständige Polizeidienststelle. Ich wurde dazu aufgefordert das Fahrzeug unverzüglich dort vorzufahren und bekam für diese Fahrt zur Polizeidienststelle eine Genehmigung. So machte ich mich auf den Weg, fuhr das Fortbewegungsmittel vor und erstattete Anzeige. Das Fahrzeug wurde in Augenschein genommen und ich musste nun umgehend neue Kennzeichen beantragen. Ungünstigerweise war zu diesem Zeitpunkt das Straßenverkehrsamt der Muggel bereits geschlossen. Die freundlichen Polizisten jedoch gaben mir eine Mitteilung für mein Gefährt. Darauf befand sich die Sachbearbeitungsnummer. Sie meinten ich sollte diese Mitteilung sichtbar in mein Fahrzeug legen, so wüsste man, dass das kleine, gelbe Auto Opfer einer Straftat geworden wäre. Über das Wochenende war ich ja handlungsunfähig. Ich solle mir keine Sorgen machen wegen des Ordnungsamtes der Muggel (die ja angehalten sind nicht gemeldete Fahrzeuge – also zumeist Fahrzeuge ohne Nummernschild – zu entfernen).

Das Hexenfahrzeug erscheint Muggeln als Auto.

Das Hexenfahrzeug erscheint Muggeln als Auto.

An dieser Stelle atmen wir kurz durch. Der Sachverhalt: Mein Fahrzeug ist ordnungsgemäß gemeldet. Es ist steuerpflichtig, die Steuer ist entrichtet. Das Fahrzeug ist durch eine Straftat von seinen Kennzeichen gelöst worden. Dies ist der Polizei bekannt und gemeldet, Anzeige ist erstattet. Das Fahrzeug wird vor meinem Nachbarhaus geparkt, mit der gut leserlichen, polizeilichen Mitteilung angeklebt hinter der Windschutzscheibe.

Was macht Eure liebste Bloghexe inzwischen? Es ist Freitag, das Straßenverkehrsamt ist – nach wie vor – zu. Ich müsste am Montag zum Amt und dort mit meiner Anzeige vorsprechen. Dann bekomme ich vom Amt einen Termin, zu diesem Termin müsste ich dort erscheinen und bekäme neue Nummernschilder. Vorgangsdauer? Hier in Berlin – bei völlig überlasteten Ämtern – bis zu mehreren Wochen! Bei Straftaten muss jedoch ’schnellstmöglich‘ reagiert werden. Was auch immer dies heißen mag. Dennoch schafft Eure Bloghexe noch am Freitag das scheinbar Unmögliche!!!  Mit ihrem scharfen Geist und der guten Kenntnis der Muggelwelt glaubt sie dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. Sie geht zu einem privaten Anmeldedienst und schildert die Situation. Sogleich erhält sie alle nötigen Informationen. In spätestens 10 Tagen sind die neuen Nummernschilder da. Auch die Nummer erhält die Bloghexe schon. Uff. Alles gut, oder?

Wie Ihr Euch vorstellen könnt ist es schon unangenehm genug bestohlen zu werden. Damit verbunden ist viel Aufruhr, Aufwand und Stress. Hinzu kommt eine Portion Geld, die investiert werden muss, um den Schaden wieder glatt zu bügeln. Das Wochenende verlief zudem wenig entspannend und ich startete einige Anfragen, um mir privat einen Stellplatz für mein Auto zu mieten, in der Hoffnung solcherart Unbill in Zukunft zu vermeiden.

Am Montag jedoch dann kam ein böses Erwachen! Ich fand an meinem Fahrzeug eine riesige, gelbe Plakette vom Ordnungsamt (gleich neben der Polizeimitteilung). Sinngemäß: Dieser Wagen sei unverzüglich zu entfernen, ansonsten werde er entfernt und ich habe 10.000 € Bußgeld zu zahlen, da ich eine Ordnungswidrigkeit begehe.

Das Opfer einer Straftat wird zum Täter.

Das Opfer einer Straftat wird zum Täter.

Noch mal zur Info: Ich weiß, dass es nicht statthaft ist ungekennzeichnete Fahrzeuge auf öffentlichen Grund abzustellen. Aus diesem Grunde hat mir die Polizei den Hinweis gegeben die Anzeige im Fahrzeug zu deponieren, um klar zu machen, dass es sich nicht um eine vorsätzliche Ordnungswidrigkeit handelt, sondern um ein Fahrzeug, das Opfer einer Straftat wurde und in dieser Tat wird ermittelt. Die Anzeige ist klar und deutlich lesbar deponiert.
Ich bin schockiert und verwirrt. Also rufe ich die Polizei an und schildere den neuen Sachverhalt. Der Polizist, mit dem ich spreche, ist gelassen und meint, ich solle nichts tun,  denn es sei alles okay. Da habe sich bestimmt jemand vertan. Und selbst wenn ich vom Ordnungsamt Post bekäme, so müsse ich nur die Nummer meiner Anzeige bei der Polizei mitteilen.

Irgendwie ist mir trotzdem mulmig. Man droht mir damit meine Fahrzeug zu entfernen. Also beratschlage ich mit der Familie, was zu tun ist. Ihr erinnert Euch: Es ist Montag. Am Freitag wurde ich Opfer einer Straftat. Es ist ein Werktag vergangen, da werde ich vom Ordnungssamt einer Ordnungswidrigkeit bezichtigt. Ich beschließe in die Offensive zu gehen und beim Ordnungsamt anzurufen. Zeitgleich bemühe ich mich weiter um einen privaten Stellplatz. Es ist noch immer Montag, inzwischen nach 12.00 Uhr mittags. Da erreicht man beim Ordnungsamt niemanden… Ich muss einen alten Jeditrick anwenden, um ruhig zu bleiben. Was sind schon die Androhung von 10.000 € Ordnungsgeld und der Verlust eines Fahrzeuges im Anbetracht des unendlichen Universums? Also, in meinem Universum irgendwie doch schon ein ganz schöner Brocken… Ein Schnaps ist doch hilfreicher, als die Jedimeditation… hoffentlich kann ich diesen Fall bald abschließen, ohne Alkoholiker zu werden.

Dienstag früh, ich springe aus dem Bett und beginne direkt mit meinem großangelegten Kommunikationsangriff auf das Ordnungsamt. Ich trinke auch keinen Schnaps vorweg. Natürlich habe ich vorher auch einen Kommunikationszauber gemacht. Und TATSÄCHLICH geschieht das Unglaubliche. Gleich mein erster Anruf bringt Erfolg in Form einer Mitarbeiterin am anderen Ende. Damit hatte ich kaum gerechnet. Für eine Sekunde bin ich regelrecht perplex. Und was ich nun zu hören bekomme zieht mir echt die Schuhe aus. Aber Euch sei gesagt: Eure Bloghexe bleibt nicht nur ruhig und gelassen, sondern auch freundlich und wünscht allen Mitarbeitern des Amtes immer auch einen wundervollen Tag.

Ich schildere meinen Fall. Ihr erinnert Euch (sorry, dass ich mich wiederhole, doch zuweilen vergaß ich es fast selbst): Ich bin Opfer einer Straftat. Die Polizei ist an dem Fall dran. Es gibt eine polizeiliche Ermittlungsnummer. Mein Fahrzeug ist – nach wie vor – ordnungsgemäß gemeldet und versteuert. Ich tue ALLES mir möglich, um das Fahrzeug neu zu kennzeichnen und es von öffentlichem Boden weg zu bekommen. All dies kann ich auch belegen. Und was erfahre ich: Ich habe das Fahrzeug umgehend zu entfernen, ansonsten werde es kostenpflichtig entfernt. Alles andere spiele keine Rolle. Ich weise darauf hin, dass ich das Fahrzeug gar nicht fahren dürfe, da es keine Kennzeichen hat. Da hat das Ordnungsamt eine tolle Idee: Ich könne mir ja rote Kennzeichen besorgen und dann das Fahrzeug weg fahren. Wohin, das hingegen müsse ich selbst wissen. Wenn ich keinen eigenen Grund und Boden besitze, dann vielleicht in den Garten meiner Freundin in Neukölln… die wird sich bestimmt freuen. Ich könnte ihr Schnaps geben, bis es ihr nicht mehr auffällt, was da in ihrem Vorgarten steht…

Zu diesem Zeitpunkt ziehe ich die Konsultation eines Anwaltes ernstlich in Erwägung. Doch zunächst gehe ich wieder zu meinem Meister der Nummernschilder, der alles tut, um mich schnell und zuverlässig mit neuen Kennzeichen auszustatten. Leicht beunruhigt schildere ich ihm meine Abenteuer mit dem Ordnungsamt und sehe dabei, wie seine Gesichtszüge entgleisen. Ich weiß, ich wiederhole mich: Die Polizei hat mir erlaubt den Wagen mit der Anzeigennummer stehen zu lassen, das Ordnungsamt aber behauptet ich begehe eine Ordnungswidrigkeit (und die auch noch grob fahrlässig, da ich ja weiß, dass der Wagen ohne Nummernschildern nicht geparkt werden darf). Und nun soll ich mir ‚rote Kennzeichen‘ holen, um den Wagen zu überführen – zum Beispiel in den Garten meiner Freundin, die davon noch nichts ahnt. Beim Meister der Nummernschilder erfahre ich erstaunliches: Der Hinweis des Ordnungsamtes würde bedeuten, dass ich meinen Wagen abmelden müsste und neu wieder anmelden müsste. Das wiederum würde bedeuten, dass ich eine ECHTE Ordnungswidrigkeit begehe, denn unangemeldete Fahrzeuge dürfen nicht rumstehen. Nummernschild-Meister und ich sind uns einig: Das Ordnungsamt ist im Unrecht, ich im Recht. Aber: Das Ordnungsamt hat die Abschleppmacht. Und ich noch keinen Anwalt.

Es ist Dienstag Vormittag. Ich bin am Ende mit meinem Latein. Doch tatsächlich habe ich so lange bei meinen Nachbarn an den Türen gekratzt, bis ich – für ein paar Tage – einen Stellplatz für meinen Wagen gefunden habe. Und dann tue ich etwas unfassbares: Ich setze mich in mein Auto – ohne Nummernschilder – und fahre los… 40 Meter… über die Straße… in einen Hinterhof… das ist bestimmt ein Verbrechen. Möglicherweise sogar ein schweres, welches nicht mit einer Geldstrafe unter 10.000 €, die ich nicht habe, geahndet wird.
NEIN!!! Scherz beiseite! Selbstverständlich habe ich das Fahrzeug  ordnungsgemäß abschleppen lassen!!! Ich möchte mich ja nun keiner Ordnungswidrigkeit schuldig machen!!!

Möchte noch jemand einen Schnaps?

Noch drei Hexenkalender erhältlich!

Die zweite Auflage des “Kalender für Hexen, Göttinnen und Zauberfrauen sowie für alle, die das Besondere lieben!” ist bereits da und es gibt nun noch einige wenige Exemplare, die ich hier anbieten kann.

Exakt drei Bücher liegen noch hier und warten darauf ein neues Zuhause bei Euch zu finden.

Cover des ersten Kalender für Zauberfrauen.

Cover des ersten Kalender für Zauberfrauen.

Initiert durch die Zauberfrau Leashera entstand ein wundervolles, kreatives Werk im Din A5 Format, welches 200 Seiten umfasst. Neun Frauen und ein Mann haben sich daran gemacht dieses magische Werk zu schaffen. Jedes Midgardkind bekam einen Monat, der künstlerisch gestaltet werden sollte. Heraus kam ein kleines, magisches Kunstwerk, welches Hexen und Zauberer ebenso erfreuen wird, wie weltoffene Muggel, die ein Herz für die schönen Dinge im Leben haben.

Ein künstlerisch gestalteter Monat. Im Inneren ist der Kalender sehr vielseitig!

Ein künstlerisch gestalteter Monat. Im Inneren ist der Kalender sehr vielseitig!

Zu den Mitwirkenden an diesem Kalender gehören unter anderem Cassandra, Curtis Nike,  der Hexenfreund und Cartoonist Exo Black sowie einige andere. Besonders schön ist, dass mit der elfjährigen Maya auch schon sehr junge Künstlerinnen mit vertreten sind.

Der Kalender begann bereits am 01.11.2013, zum traditionellen Hexenneujahr. Er umfasst 12 Monate in Wochenübersichten, sowie Monatsübersichten bis zum 31.12.2014. Zudem bietet der Kalender einen umfangreichen und im keltischen Stile gestalteten Notizteil, einen Adressteil, Mondkalender und allerlei schönes und wissenswertes rund um die Welt der Magie.

Der Kalender kostet 13,00 € . Selbstabholer können ihn direkt in Berlin Kreuzberg entgegen nehmen. Für alle anderen fällt noch einmal 2,00 € für Porto und Verpackung an. Wer sich zuerst meldet und zahlt bekommt dann noch ein Exemplar ab. Bitte meldet Euch per Email bei Curtis.Nike(at)arcor.de bei mir!

Der Versand erfolgt ausschließlich innerhalb Deutschlands!

Manch eine Göttin oder Zaubergestalt kann einem im Inneren des Kalenders begegenen!

Manch eine Göttin oder Zaubergestalt kann einem im Inneren des Kalenders begegnen!

Erstaunliches aus der Muggelwelt

Obgleich ich als Hexe ja nun schon vieles erlebt habe und mich regelmäßig in der Welt der Muggel aufhalte, passiert es doch immer wieder, dass ich Erstaunliches erlebe. So auch heute wieder. Ein kleiner Einkaufstrip in ein Muggelkaufhaus namens ‚Domäne‘ wurde zu einem gefährlichen Abenteuer… doch wie kam es dazu.

Eigentlich, dies muß ich an dieser Stelle zugeben, hätte ich bereits wissen müssen, was meinen Vater und mich erwarten würde, wenn wir aus zögen um ein paar Kleiderbügel und Frühstücksbrettchen zu kaufen. Man muß ja nicht für jede Kleinigkeit gleich in die Winkelgasse oder das hier bei uns ansässige Zaubereikaufhaus gehen (da kaufe ich in der Regel auch meistens mehr, als ich eigentlich wollte). So gingen wir also in das Kaufhaus Domäne, welches vor einigen Monaten aufwendig renoviert und neu ausgestattet worden war. In diesem Zusammenhang hatten die Muggeltechniker eine offenkundig in ihren Augen pfiffige Idee: Es wurden elektronische Kassen installiert, die  eigenständig das Geld entgegen nehmen und das Wechselgeld raus geben. Nett gemacht, sehr platzintensiv, funktioniert wie Magie, nur: ‚wie Magie‘ heißt eben nicht magisch. Seit der Installation der neuen Kassen hat sich die Wartezeit im Kassenbereich etwa verdreifacht. Denn: Dummerweise wissen viele Muggel nicht wie die Kassen funktionieren, so dass sie vom Personal eine Einweisung in die Funktionen der Kassen bekommen. Dies dauert. Es ist etwas kompliziert. Soweit, so schlecht.

Aber auch, wer weiß, wie die Kassen funktionieren, setzt sich einem gesundheitlichen Risiko aus, denn: Die Kassen beißen. Und das nicht einmal schlecht. Wenn man sie mit einem Geldschein füttert, dann reissen sie diesen so heftig an sich, dass man – ist man nicht schnell genug – von den Kassen gebissen wird, wenn sie ihre Klappe schließen. Das ist mir schon passiert. Heute ist es meinem Vater passiert. Und es ist einer Muggelfrau, die hinter ihm kam, passiert. Und an der Nebenkasse wurde auch fleißig gebissen. Beissende Kassen. Wieso erfinden Muggel beissende Kassen? Und warnen auch nicht davor? Als ich noch rief: „Achtung, die Kasse beißt!“ da hatte es meinen Vater schon erwischt. Die Muggelfrau hinter ihm – die dies mit bekam – fühlte sich durch meine etwas sonderbare Äußerung wohl verarscht. Ihr ‚AUA‘ war dann allerdings weitestgehend zu hören.

Beissende Kassen sind mir suspekt. Das nächste Mal gehe ich wieder in unsere ortsansässiges Zaubereikaufhaus. Da beissen nur die Bücher. Und die sind in Käfigen, mit einem Warnschild, welches auf Gefahren hinweist. Da fühle ich mich einfach sicherer.

P.S.: Dieser Artikel ist zwar satierisch gehalten, aber traurige Wahrheit. Wer sich einmal selbst von der Bissigkeit  der Domäne Kassen überzeugen möchte kann die Domäne in Kreuzberg ja selbst mal besuchen. Ich empfehle die Zeit um Vollmond zu vermeiden, man kann ja nie wissen was so ein Kassenbiss für Nebenwirkungen haben kann…