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Haltlosigkeit, Halt und gehalten werden

Freya by Penrose

Freya, Gemälde von James Doyle Penrose (1862–1932)


05.05.2017

Freya weiß es genau: Diesen Weg kann sie nur alleine gehen. Niemand kann sie stützen. Niemand kann ihr die Last, die Trauer aus der Seele nehmen. Niemand kann die Wunden in ihr heilen. Der Verlust schmerzt so sehr, dass sie alles hinter sich lässt. Ihr Heim, die Umgebung der Asen, ihr liebes, rauhes Schwein Hildiswini, ihre geliebten Katzen, ja, selbst ihr Dasein als Göttin. Sie muss gehen, sie muss herausfinden was geschehen ist, sie muss sich auf die Suche machen. Ihr Herz schmerzt so sehr, die Sorge um den Geliebten treibt sie um. Sie hat keine Wahl: Sie geht. Sie verlässt die Gemeinschaft der Ihren, um sich auf eine Suche zu machen, die sie zu allem führt, nur nicht zum Geliebten. Die Geschichte ist bekannt: Sie findet mannigfaches und magisches, sie bleibt lange fort und kommt dabei den Menschen so nahe, wie selten eine andere Göttin. Sie altert auf ihrem Weg und als sie wieder kehrt in die Gefilde Asgards ist sie eine alte Frau.
Zurück kommt sie in die Gemeinschaft der Götter und hier erwartet sie Idun mit ihren Äpfeln, die so köstlich sind, das man meint ihren Geschmack niemals zu vergessen. Sie schenkt sie Freya, schenkt ihr ihre Jugend zurück, ihre Göttlichkeit, und die Wundervolle blüht auf. Hier ist sie zu Hause, da ist ihr Bruder, Freyr, der glücklich ist sie wieder in die Arme schließen zu können und da ist Thor, der liebe Freund, dem sie nie eine Bitte abschlagen kann. Ihre Katzen laufen ihr mit erhobenem Schwanz glücklich entgegen, streichen ihr um die Beine und schnurren, wobei sie fragen: „Wo warst Du denn nur?“ um dann natürlich – wie es nun einmal Katzenart ist – gleich zum Futternapf stürzen und Leckeres zu fordern. Hildswini kommt angestürmt und respektvoll weichen alle zur Seite. Froh reibt sich das Schwein an seiner Herrin.
Freya ist wieder zu Hause!

Gemeinschaft verbindet. Quelle: Pixabay

Manchmal müssen wir die Gemeinschaft verlassen, um uns auf unseren ureigenen Pfad zu begeben. Den Weg, den nur wir beschreiten können, weil es ‚an der Zeit‘ ist. Vielleicht suchen wir etwas? Vielleicht versuchen wir etwas hinter uns zu lassen? Vielleicht wissen wir nicht einmal weshalb wie aufgebrochen sind? Vielleicht haben wir auch ein Teil von uns verloren? Gründe einen Pfad alleine zu gehen gibt es mannigfache. Doch wichtig ist es dabei zum einen das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und zum anderen nicht zu vergessen woher wir eigentlich kommen. Beides kann jedoch öfter verloren gehen als man meint. Und dann kommt man ‚vom Weg ab‘, obgleich man zuweilen meint noch auf dem richtigen Pfad zu sein. Wie gut ist es dann, wenn die Gemeinschaft, aus der man kommt, ab und zu ruft und sich in Erinnerung bringt! Denn es ist nun einmal so, man selbst kann sich nicht so betrachten und reflektieren, wie man es vielleicht glaubt, meint oder möchte. Für einen Großteil magische Grundarbeiten ist Gemeinschaft notwendig! Einige meinen zwar, sie könnten und müssten alles alleine packen und regeln, aber dies ist und bleibt außerhalb menschlicher Schaffenskraft. Und, liebe Solo-Hexen, ‚Von Gemeinschaft frustrierte‘, ‚Ich-kann-alles-alleine‘ Hexen, das ist ein Fakt. So sind wir beschaffen. Punkt. Und ihr wisst es auch! Tief in Euch wisst Ihr es genau, sonst wärt ihr keine Hexen.
Vertraut Eurer Intuition – nicht Eurer Angst. Doch ich weiche ab…

Loki und seine Kinder -ein Feuersturm im Hintergrund.

Gemeinschaft stärkt. Gemeinschaft gibt Halt. Gemeinschaft verbindet. Gemeinschaft heilt. Und dabei ist die Gemeinschaft weitaus mehr als die Summe ihrer Mitglieder. Die Kräfte potenzieren und ergänzen sich. Eine funktionierende Reclaiming-Gemeinschaft kennt keine Konkurrenz zwischen ihren Mitgliedern, sondern Ergänzung, Wachstum, Freude, Bereicherung. Daraus wächst eine enorme Stärke und Schönheit, eine unglaublich schöne Kraftquelle, ein Brunnen der Kreativität und Magie.
Aber zugleich gibt es in einer Gemeinschaft auch stets Herausforderungen: Wo beginne ich? Wo ende ich? Wo beginnen wir? Wo enden wir? Wo werden Grenzen überschritten? Wessen Grenzen werden überschritten? Und so weiter… ihr kennt die Fragen. Jedoch auch hier: Eine funktionierende Gemeinschaft hat funktionierende Kommunikationsregeln. Und sie fängt auch Kommunikationsschwierigkeiten auf. Eine funktionierende Gemeinschaft verträgt es, wenn Du, wie Freya, einen Zeit lang einen eigenen Weg gehen musst. Und sie wird Dich offen wieder empfangen. Es ist doch ganz einfach, oder?

Eine funktionierende Gemeinschaft wird Dich, Deine Schwächen, Deine Talente, Deine Gaben, Deine Kräfte er-tragen. Und Du wirst die Gemeinschaft er-tragen“, flüstert er in mein Ohr, „die Frage ist nur: Erträgst Du Dich selbst?“
Mir wird fast körperlich übel, ich halte mich an meinem Weinglas fest. Ein leichter Schwindel erfasst mich. Eine Antwort bleibt in meinem Hals stecken.
„Lasse los von Deinem (vermeintlichen) Halt!“ höre ich Lokis Stimme und beginne zu wanken, zu schwanken, zu fallen… in die Arme der Gemeinschaft.
Curtis ist wieder zu Hause.

Heilungsoptionen

04.05.2017

Das wärmende Kaminfeuer erfreute auch die Hexentiere. Foto: Peti Songcatcher

Das Kaminfeuer prasselt. Wir sitzen zusammen, trinken, naschen Süßigkeiten und reden angeregt. Der Abend beginnt der Nacht Platz zu machen. Die Nacht vor Beltane bricht bald an. Das Gespräch, welches wir führen, wühlt mich auf. Etwas brodelt in mir.
Und da ist hinter mir mit einem Male eine wohl vertraute Präsenz. „Lasse los von Deinem Halt!“ Es ist eine verwandte Stimme, die mir ins Ohr flüstert. Doch noch ehe ich mich umdrehen kann und Loki ein Wiederwort geben kann werde ich haltlos und stürze…

Moment: Alles von Anfang an! Denn stets scheint es so, als greifen die Dinge ineinander. Vielleicht glauben einige auch an Ursache und Wirkung. Ich zumindest halte mich an Magie. Und genau die haben wir gewoben! Und sie wirkte, bis unter die Haut, in die Haarspitzen hinein, durchdrang das Fleisch und ritzte sich mühelos in die Knochen. Wie sie nun einmal so ist. Magie lässt nichts aus, sie ist bedingungslos. Wird Magie gewoben, so muss man sich den Konsequenzen stellen.

Diese tollen Preise standen zur Verlosung. Die Tombola wurde sehnsüchtig erwartet und auch wild gefeiert.

Noch einmal zur Erinnerung: Ich bin in der Sternschnuppe Oldenbüttel zum Freunde des Phoenix Treffens. Inzwischen ist es der Samstag vor dem ersten Mai und alle, die wir erwartet haben, sind eingetroffen: Hexen und Heiden aus ganz Deutschland – und sogar eine aus Australien. Alte Freunde werden begrüßt, neue kennen gelernt. Die meisten haben lange Anfahrtswege auf sich genommen um hier zu sein. Aber dieser Ort ist in sich so besonders und die Menschen (und Hobbits!), die es hierher zieht, sind Teil einer so wunderbaren Kraft, dass es keinen scheut die lange Strecke mit dem Hexenbesen oder dem Muggelzug zurück zu legen. Hier Kraft zu tanken, Energie zu tauschen und Magie zu weben ist einfach so bereichernd, das kaum ein Weg zu weit erscheint. Nicht einmal der Weg um die Welt! Und hier sind wir nun. Ein Hexenmarkt eröffnet die Pforten – es gibt vier wunderbare Stände – eine Verlosung wird initiiert, überall laufen Gespräche, Ideen werden ausgetauscht und gemeinsam wird gegessen und getrunken. Zum Nachmittag wollen wir gemeinsam ein Heilungsritual machen. Darauf freue ich mich schon, denn Heilung – die brauche ich immer. Wer braucht sie nicht? Und so beginne ich auch gleich mit einer lieben Mithexe zusammen am Thema zu arbeiten: Wir verabreichen uns gegenseitig entspannende, heilsame Massagen. In der Zwischenzeit wird nebenan das Ritual geplant. Jemand fragt noch (ich weiß noch wer!): „Welchen Part im Ritual übernimmst Du, Curtis?“ Und ich winke nur ab: „Ist mir egal, solange ich nicht das Wasser anrufen muss!“ Das Wasser… dieses feuchte, emotionale Element, welches mich in den letzten Wochen und Monaten viel zu viel um getrieben hat. Nein, das will ich nicht! Das soll doch jemand anders machen! Und tatsächlich: Das Wasser muss ich nicht anrufen, zumindest nicht im Heilungsritual… da mache ich dann nur die Runentrance zum Finden der persönlichen Heilrunen… als ich das erfahre kippe ich fast aus dem Schuhwerk. Da wäre mir ja das Wasser fast wie ein Spaziergang vor gekommen… ich bin mir sicher, dass die Idee mit der Runentrance von Freya kam. Die hat sie mir aufs Auge gedrückt! Sie und Loki, die beiden bringen mich irgendwann noch um das letzte bisschen Verstand, das ich noch habe. Vermutlich habe ich es nicht anders verdient… ähm… gewollt.

Braucht es zum heilen einen Hexendoktor?

Das Wirken von Magie in einer Gemeinschaft ist wie eine Energiedusche! Die Kraft und Kreativität aller Mitwirkenden inspiriert letztendlich auch den eigenen Geist und verleiht ungeahnten Ideenreichtum. Wir kreierten eine gemeinsame Sphäre, in der unsere Befähigungen sich nicht etwa verdoppeln oder verdreifachen, sondern mit jeder Person neu potenzieren. Dies macht gemeinschaftliche Magie so extrem wirkungsvoll, dies lässt jeden Zauber verdichten und einzigartig werden. Zugleich entfalten sich ungeahnte Wirkungsbereiche.

Zurück zu unserem Kaminfeuer, mit dem etwas Neues begann. „Lasse los von Deinem Halt!“ Typisch Loki. Er bringt es einfach klar auf den Punkt. Mach mal. Spring doch einfach in den Abgrund! Aber es geht gar nicht! Schmerz durchdringt mich, Wasser – ich habe mich so geweigert es zu rufen – steigt in mir auf, bricht sich ungehindert seine Bahnen und fließt über mein Gesicht. Ich lasse los… falle… und werde aufgefangen von Armen die mich halten. Eine nur leicht bedeckte Wunde in mir bricht auf… zeigt sich… zeigt sich der Gemeinschaft. Und mit einem Male wird klar: Es gibt Verletzungen, die – selbst bei bester Behandlung – nur dann geheilt werden können, wenn man zulässt, dass auch andere die Wunden betrachten können und mit an der Heilung wirken. Und so wird es beim nächsten Mal hier um das Thema meiner Wunde gleichermaßen wie das Thema meiner Heilsoptionen gehen: ‚Gemeinschaft‘

Bleibt mir gewogen!

May the Force be with you!

Impressionen von der Beltainenacht

02.05.2017

Nebelschwaden steigen in den Morgenstunden von den Feldern auf.
Bild: Peti Songcatcher

Rauch liegt in der Luft, es duftet nach brennendem Holz. Der Geruch des Feuers setzt sich in allem fest, in meinem Mantel, in meiner Mütze, in den Haaren und auch im Pullover. Alles riecht nach Beltainefeuer. Die Flammen prasseln, über uns funkeln die Sterne, das Schlagen der Trommel mischt sich mit dem Knistern des Feuers. Ich spüre, wie eine Last von mir fällt, wie sich etwas von mir in die Flammen begibt, um sich aufzulösen und transformiert wieder aufzusteigen. Es ist egal, ob ich dieses Fest still genieße, in mich gehe und in mir selbst ruhe oder ob ich mit einem Schrei oder unter Tränen meine Angst in die Flammen geben möchte. Es spielt keine Rolle, ob ich überhaupt etwas von mir Preis geben möchte, oder ob ich einfach nur mit dabei bin. Hier bin ich unter Geschwistern. Hier bin ich angekommen. Hier werde ich angenommen. Hier nehmen wir uns gegenseitig an. So wie wir sind. Und hier können wir den Alltag abstreifen, können so sein, wie wir wirklich sind. Wir entsprechen keinen Normen. Wir entsprechen keinen Regeln. Wir sind einfach nur die, die wir sind. Völlig ungeschminkt.

Der Wind weht auf, Gesang erhebt sich, vermischt sich mit Trommelklang und Feuersang. Es rauscht und wogt, wir stampfen in die Erde, knisternd sprühen Funken, Windesbrausen zerrt an meinem Haar. Meine eigene Stimme vermischt sich mit denen der anderen, das Blut pulsiert durch das Herz. Wir sind eins in einem Kreis. Alle anders, alle verbunden, alle einzigartig schön.

Das Beltaineritual nimmt seinen Lauf. Erst als es endet, der Kreis gelöst wird, da spüre ich die nächtliche Kälte, die der Wind mit sich bringt.

Ich atme durch, gehe ins Haus. Eine der Unsrigen hat eine heiße Suppe bereitet. Manche ziehen Tee und Gebäck vor. Andere suchen das warme Wohnzimmer auf, wo das Sofa lockt. Mich zieht es magisch zu der Suppe.

Was für ein wundervoller Ort, was für ein intensives, schönes, traumhaftes Ritual unter dem Sternenhimmel.

Du hast in dieser besonderen Nacht mit anderen getanzt? Wir haben Dich gespürt.

Du hast alleine getanzt? Wir haben Dich gefühlt. Tanze zusammen mit Deinen Geschwistern des Herzens und fühle die Kraft der Gemeinschaft.

Du hast nicht getanzt? Wir haben Dich vermisst.

Wenn Du wissen möchtest was für eine zauberhafte Zeit ich mit wundervollen Menschen zusammen im Hexenhaus Sternschnuppe verbracht habe und was wir zusammen erlebt haben, so freue ich mich darauf, wenn Du hier mit liest. Ich werde berichten.

Lass Dich verzaubern!

Reclaiming-Workshop in Berlin

14.03.2017
Ich freue mich sehr Euch heute zu einem ganz besonderen Workshop in Berlin-Kreuzberg einladen zu können!
Statt findet der Community Building Workshop vom 16. bis 18. Juni 2017.
Auf jeden Fall werde ich mit dabei sein. Der folgende Text sowie die Abbildung sind von Shira: 
„Beim internationalen Dandelion Treffen 2012 in Portland, Oregon, erzielten eine Gruppe von interessierten Hexen und LehreInnen einen Konsens darüber, eine neue Reclaiming Kernklasse einzuführen: Community Skills (Kenntnisse in Gemeinschaftsgestaltung). Seitdem hat es etliche Ansätze und Versuche gegeben, in denen wir uns bemühen, die lebendige Form dieser fünften Kernklasse genauer zu definieren.
In diesem speziellen Workshop werden wir uns von den Elementen des Lebens und der Magie leiten lassen, indem wir uns mit ihnen auseinandersetzen:
 
Erde: Werte der Gemeinschaft
Luft: Effektive Kommunikation
Feuer: Konfliktlösungsstrategien
Wasser: Mutige Verletzlichkeit
Geist: Kessel des Rituals
 
Fühlst du dich gerufen, dir die Fähigkeiten anzueignen, den spirituellen Behälter deiner Tradition zu gestalten? Dann ist dieser Workshop für dich! Es gibt keine vorrausgesetzen Fähigkeiten, allerdings sind Vorkenntnisse in Reclaiming Magie und Ritual hilfreich.
Wir freuen uns auf dich!
 
Kosten: 95 bis 150 Euro Sliding Scale* (mehr zu Sliding Scale weiter unten)
Anmeldung bei Shira, Anzahlung von 50€ bis zum 1.5.17, Rest bis 1.6.17
Im Preis des Workshops sind Unterkunft und Essen nicht enthalten. Der Workshop findet in Berlin Kreuzberg statt, in Laufweite von etlichen guten und günstigen Essmöglichkeiten und diversen Unterkünften verschiedenster Preisklassen. Auf Anfrage schicken wir euch gerne eine Liste nahe gelegener Hostels und Hotels. Wir bitten die ortsansässigen TeilnehmerInnen, zur Verfügung stehende Schlafgelegenheiten bei ihnen bitte hier zu teilen!

Zum Team:
Dawn Isidora ist eine erfahrene und international tätige Lehrerin der Reclaiming Tradition, spirituelle Mentorin und Schriftstellerin. Sie kam in den frühen Achtziger Jahren in San Francisco in Kontakt mit Reclaiming und unterrichtet selbst seit den frühen Neunzigern. Sie hat bei Witchcamps in den USA, Kanada, England und Australien unterrichtet. Dies ist ihre erste Reise nach Deutschland! Von deutschen und russischen Juden abstammend, verbindet sie in ihrer Arbeit eine geerdete Steinbockmentalität mit ihrer mystischen Fische-Verbundenheit zu allen Welten und ihrer lebenslangen Liebe zu (und Auseinandersetzung mit) der Arbeit für die Gemeinschaft. Mehr über Dawn: http://dawnisidora.com/

Shira ist eine deutsche Reclaiming Hexe mit einer Leidenschaft für die Magie des Wortes- Geschichten, Gedichte, Lieder und Ritual.
Sie ist eine ehemalige Organisatorin des Phoenixcamps und unterichtet seit 2009 in Reclaiming. Unter anderem ist sie eine langjährige Schülerin von Thorn Coyle und der magischen Traditionen des Westens.

*Was ist Sliding Scale?
Reclaiming ist eine magische Tradition, die sehr auf gemeinschaftliches und solidarisches Handeln ausgelegt ist. Wir treten unter anderem gegen soziale Ungerechtigkeit ein. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, daß niemand von einer Veranstaltung ausgeschlossen sein soll, weil er oder sie sich die Teilnahme nicht leisten kann. Ein gestaffelter Preis zielt darauf ab, dass die, die mehr verdienen, freiwillig einen höheren Beitrag leisten, damit die, denen es finanziell schlechter geht, auch Teilhabe an der Gemeinschaft haben können. Wie du deine Situation einschätzt, bleibt allein dir überlassen. (Bitte bezieh dich dabei auf deine Gesamtsituation, nicht auf ein momentanes Gefühl des Mangels, weil du z. B. gerade eine kostspielige Abschaffung gemacht hast.)“

Hier Bei mir kannst Du Dich verbindlich anmelden. Anschrift und Kontoverbindung werden Dir dann zugeschickt. Ich freue mich auf Dich!

 

Die fünfte lange Nacht der Religionen in Berlin

 

Peti Songcatcher and Friends - Duke Meyer von den Singvögeln und Paula Noske

Peti Songcatcher and Friends – Duke Meyer von den Singvögeln und Paula Noske

Es ist Vollmond. Ich höre im Halbschlaf die Trommeln. Es ist die Nacht zum 17. September, die Nacht vor der langen Nacht der Religionen. Und doch höre ich bereits die Klänge der Hexen und Heiden, das rhythmische Vibrieren der Trommelfelle, Gitarren und Gesang. Langsam gleite ich hinüber in mein Traumwelten während nebenan Peti, Duke und Paula proben. Sie bereiten sich auf die 5. Nacht der Religionen in Berlin vor. Ich persönlich habe meine Vorbereitungen glücklicherweise bereits abgeschlossen. In diesem Jahr beherberge ich Gäste und deren Betten sind schon einen Tag zuvor gemacht gewesen.

Nach dem Frühstück (bestehend aus sehr viel Kaffee und ein Stück Apfelkuchen von Paulas Mutter) am Morgen des 17. September packe ich meine Tasche zusammen. Der Fotoapparat muss schließlich mit. Leider soll ich im Laufe des Tages feststellen, dass meine alte Kamera immer schlechter wird und ich dringend eine neue brauche. Nur die Hälfte meiner Fotos ist wirklich etwas geworden.
Meine musikalischen Freunde sind schon längst unterwegs und ich höre draußen die Glocken der Kirchen läuten. Der ‚Tag der Religionen‘ ist eröffnet. Denn es geht bereits vor 14.00 Uhr in ganz Berlin los.

Berlin sprüht vor Magie! Auch der OTO sowie das Projekt 'Magic Berlin' sind präsent.

Berlin sprüht vor Magie!
Auch der OTO sowie das Projekt ‚Magic Berlin‚ sind präsent.

Im letzten Jahr habe ich eine Veranstaltung des Eldarings besucht. In diesem Jahr habe ich beschlossen bei den Paganen Wegen und Gemeinschaften vorbei zu schauen. Hier würde sich das magische Leben Berlins versammeln und an unterschiedlichen Ständen, bei Ritualen und Vorträgen vorstellen. Zudem sollte mir auch bald klar werden, dass die Berliner ‚Nacht der Religionen‘ inzwischen eine Strahlkraft hat, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus geht. Denn ich traf alte Freunde und Bekannte, die ich zum Teil seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Aus ganz Deutschland – und darüber hinaus – reisten Menschen mit heidnischer Orientierung an, um sich zu präsentieren. 

Das Programm der Veranstaltung spiegelt zum einen das bunte, magische Berlin wieder. Zum anderen stellen sich heidnische Gruppen, die ihre Hauptpräsenz in anderen Bundesländern haben, vor. So präsentierte sich aus dem Bereich der Ordensmagie beispielsweise der Berliner Zweig des OTO mit einem kleinen Informationsangebot, während zu den Veranstaltungen der Reclaiming-Gemeinschaft  Reclaimer nicht nur aus Berlin, sondern aus ganz Deutschland angereist gekommen sind. Auch aus unserer kleinen Gruppe der Zaunköniginnen waren einige zum Informationsaustausch gekommen.

Deutschlandweit reisten Reclaimer zur 'Nacht der Religionen'.

Deutschlandweit reisten Reclaimer zur ‚Nacht der Religionen‘.

Da das Areal, auf dem sich die Veranstaltung ausdehnte, viel Platz bot gab es zahlreiche Möglichkeiten mit den Anwesenden in Gespräche zu kommen. Und so war es gar nicht möglich alle Veranstaltungen wahr zu nehmen, da es so viele Angebote gab, dass in zwei unterschiedlichen Seminarräumen zeitgleich gewirkt wurde. Zugleich fanden im Freien diverse Ritualangebote statt. 

Leider hatte ich im Vorfeld nicht gewusst, dass die ganze Veranstaltung gefilmt wurde. Auf der Website zur ‚Langen Nacht der Religionen‘ habe ich bedauerlicherweise keine Hinweise auf Filmteams gefunden. Zwar begrüße ich die Idee auf Anfrage Interviews mit den Anwesenden zu führen, aber mir persönlich gefiel es nicht, dass zum Teil auch während der Rituale Filmaufnahmen gemacht wurden. Dies hielt mich persönlich mit davon ab an den rituellen Veranstaltungen Teil zu nehmen. Statt dessen zog ich mich in den ‚Raum der Stille‘ zurück. Dieser Meditationsraum war hingegen ganz und gar nach meinem Geschmack. Hier war ein kleiner Altar errichtet und es gab die Möglichkeit bequem zu sitzen oder zu liegen und einfach einmal auszuspannen.

Lesens- und Hörenswertes.

Lesens- und Hörenswertes.

Kulinarisch gab es eine vorbildliche Versorgung mit Kaffee und Kuchen, die auf Spendenbasis zu bekommen waren. Zudem gab es einen Hexenkessel mit Suppe. 

Im Großen und Ganzen ist auch in diesem Jahr zu sagen, dass ein einziger Tag viel zu kurz ist, um in die mannigfache Welt der Spiritualität und Religion einzutauchen, gerade für mich als ’nicht-religiöse‘ Religionswissenschaftlerin! Wieder einmal muss ich eine ‚Woche der Religionen‘ anregen.

Und als wir Zaunköniginnen am Abend ‚gen Heimat aufbrechen, begleitet von den wundervollen magischen Klängen von ‚Peti Songcatcher and Friends‚, die live spielten, da bin ich rechtschaffen erschöpft von all den anregenden, inspirierenden und wundervollen Gesprächen, die ich führen durfte.

Ich habe keine Religion. Ich habe eine Weltanschauung. Ich glaube nicht. Ich mache Erfahrungen.

Ich habe keine Religion. Ich habe eine Weltanschauung. Ich glaube nicht. Ich mache Erfahrungen.

Übrigens: Im nächsten Jahr findet ‚die lange Nacht der Religionen‘ am 25. Mai statt.

Bleibt neugierig!