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Die fünfte lange Nacht der Religionen in Berlin

Peti Songcatcher and Friends – Duke Meyer von den Singvögeln und Paula Noske
Es ist Vollmond. Ich höre im Halbschlaf die Trommeln. Es ist die Nacht zum 17. September, die Nacht vor der langen Nacht der Religionen. Und doch höre ich bereits die Klänge der Hexen und Heiden, das rhythmische Vibrieren der Trommelfelle, Gitarren und Gesang. Langsam gleite ich hinüber in mein Traumwelten während nebenan Peti, Duke und Paula proben. Sie bereiten sich auf die 5. Nacht der Religionen in Berlin vor. Ich persönlich habe meine Vorbereitungen glücklicherweise bereits abgeschlossen. In diesem Jahr beherberge ich Gäste und deren Betten sind schon einen Tag zuvor gemacht gewesen.
Nach dem Frühstück (bestehend aus sehr viel Kaffee und ein Stück Apfelkuchen von Paulas Mutter) am Morgen des 17. September packe ich meine Tasche zusammen. Der Fotoapparat muss schließlich mit. Leider soll ich im Laufe des Tages feststellen, dass meine alte Kamera immer schlechter wird und ich dringend eine neue brauche. Nur die Hälfte meiner Fotos ist wirklich etwas geworden.
Meine musikalischen Freunde sind schon längst unterwegs und ich höre draußen die Glocken der Kirchen läuten. Der ‚Tag der Religionen‘ ist eröffnet. Denn es geht bereits vor 14.00 Uhr in ganz Berlin los.

Berlin sprüht vor Magie!
Auch der OTO sowie das Projekt ‚Magic Berlin‚ sind präsent.
Im letzten Jahr habe ich eine Veranstaltung des Eldarings besucht. In diesem Jahr habe ich beschlossen bei den Paganen Wegen und Gemeinschaften vorbei zu schauen. Hier würde sich das magische Leben Berlins versammeln und an unterschiedlichen Ständen, bei Ritualen und Vorträgen vorstellen. Zudem sollte mir auch bald klar werden, dass die Berliner ‚Nacht der Religionen‘ inzwischen eine Strahlkraft hat, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus geht. Denn ich traf alte Freunde und Bekannte, die ich zum Teil seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Aus ganz Deutschland – und darüber hinaus – reisten Menschen mit heidnischer Orientierung an, um sich zu präsentieren.
Das Programm der Veranstaltung spiegelt zum einen das bunte, magische Berlin wieder. Zum anderen stellen sich heidnische Gruppen, die ihre Hauptpräsenz in anderen Bundesländern haben, vor. So präsentierte sich aus dem Bereich der Ordensmagie beispielsweise der Berliner Zweig des OTO mit einem kleinen Informationsangebot, während zu den Veranstaltungen der Reclaiming-Gemeinschaft Reclaimer nicht nur aus Berlin, sondern aus ganz Deutschland angereist gekommen sind. Auch aus unserer kleinen Gruppe der Zaunköniginnen waren einige zum Informationsaustausch gekommen.

Deutschlandweit reisten Reclaimer zur ‚Nacht der Religionen‘.
Da das Areal, auf dem sich die Veranstaltung ausdehnte, viel Platz bot gab es zahlreiche Möglichkeiten mit den Anwesenden in Gespräche zu kommen. Und so war es gar nicht möglich alle Veranstaltungen wahr zu nehmen, da es so viele Angebote gab, dass in zwei unterschiedlichen Seminarräumen zeitgleich gewirkt wurde. Zugleich fanden im Freien diverse Ritualangebote statt.
Leider hatte ich im Vorfeld nicht gewusst, dass die ganze Veranstaltung gefilmt wurde. Auf der Website zur ‚Langen Nacht der Religionen‘ habe ich bedauerlicherweise keine Hinweise auf Filmteams gefunden. Zwar begrüße ich die Idee auf Anfrage Interviews mit den Anwesenden zu führen, aber mir persönlich gefiel es nicht, dass zum Teil auch während der Rituale Filmaufnahmen gemacht wurden. Dies hielt mich persönlich mit davon ab an den rituellen Veranstaltungen Teil zu nehmen. Statt dessen zog ich mich in den ‚Raum der Stille‘ zurück. Dieser Meditationsraum war hingegen ganz und gar nach meinem Geschmack. Hier war ein kleiner Altar errichtet und es gab die Möglichkeit bequem zu sitzen oder zu liegen und einfach einmal auszuspannen.

Lesens- und Hörenswertes.
Kulinarisch gab es eine vorbildliche Versorgung mit Kaffee und Kuchen, die auf Spendenbasis zu bekommen waren. Zudem gab es einen Hexenkessel mit Suppe.
Im Großen und Ganzen ist auch in diesem Jahr zu sagen, dass ein einziger Tag viel zu kurz ist, um in die mannigfache Welt der Spiritualität und Religion einzutauchen, gerade für mich als ’nicht-religiöse‘ Religionswissenschaftlerin! Wieder einmal muss ich eine ‚Woche der Religionen‘ anregen.
Und als wir Zaunköniginnen am Abend ‚gen Heimat aufbrechen, begleitet von den wundervollen magischen Klängen von ‚Peti Songcatcher and Friends‚, die live spielten, da bin ich rechtschaffen erschöpft von all den anregenden, inspirierenden und wundervollen Gesprächen, die ich führen durfte.

Ich habe keine Religion. Ich habe eine Weltanschauung. Ich glaube nicht. Ich mache Erfahrungen.
Übrigens: Im nächsten Jahr findet ‚die lange Nacht der Religionen‘ am 25. Mai statt.
Bleibt neugierig!
Lange Nacht der Religionen 2016

Lange Nacht der Religionen 2016
Auch in diesem Jahr findet am 17. September wieder die Lange Nacht der Religionen in Berlin statt. Ein Ereignis, das glücklicherweise tagsüber beginnt und mich als Religionswissenschaftlerin naturgemäß sehr reizt. Zum zweiten Mal sind hier auch diverse heidnische Gruppierungen vertreten. Zum einen gibt es die Paganen Wege und Gemeinschaften, welche unterschiedliche heidnische Gruppierungen präsentiert. Zum anderen stellt sich auch in diesem Jahr der Eldaring wieder in einer eigenen Veranstaltung dar.
Wohin es mich in diesem Jahr treiben wird, dies weiß ich noch nicht genau. Aber sicher ist, dass ich auch diesmal wieder Bericht für Euch erstatten werde und Euch zumindest einen kleinen Einblick in Berlins mannigfache, spirituelle Welt gewähren werde.
Im Anschluss an die Nacht der Religionen findet zudem der Berliner Heidentag am 18. September statt.
Postscriptum: Soeben habe ich erfahren, dass bei den Paganen Wegen und Gemeinschaften noch ganz besondere Gäste aus der Ferne anreisen. Gäste, die ich unbedingt treffen will – na, jetzt weiß ich, wo ich Samstag zu finden sein werde!

Heidentag-Flyer
Sher-locked – schon wieder!

Meine ganze – engere – Familie war in den letzten Wochen hier in Berlin. Es war einiges los und es gab einige Aufruhr, die sich nun zu legen scheint. Glücklicherweise. Das Leben ist eben zuweilen eine Achterbahn. An dieser Stelle vielen Dank auch für Eure unterstützenden Kommentare, Briefe und Emails, die bei mir eingegangen sind. ❤
Und so gab es auch recht erfreuliche Ereignisse, von denen ich Euch in den nächsten Tagen berichten werde. Ein gänzlich unerwartetes Ereignis war sicherlich die Tatsache, dass mein zwölfjähriger Neffe (ihr erinnert Euch vielleicht noch an meinen Zauberlehrling) komplett sher-locked wurde. Eigentlich wollten meine Schwester und ich eines Abends nur den Film „Die Braut des Grauens“, den sie im TV verpasst hatte, entspannt zusammen schauen. Wir debattierten noch, ob mein Neffe Pietje solcherart Unterhaltung überhaupt mögen würde oder ob wir ihn lieber allein den ‚Percy Jackson‘ und ‚Star Wars‘ Hörspielen überlassen sollten (und die ich dann leider verpasst hätte). Doch er bestand auf den ‚Detektiv-Gruselfilm‘. Vorerfahrung in Sachen ‚Sherlock Holmes‘ hatte er bereits durch den absolut empfehlenswerten Film ‚Young Sherlock Holmes‘. Und so starteten wir den Kinoabend daheim.
Letztendlich zeigte es sich: Mein Neffe kommt ganz und gar auf unsere Familie raus. Mich erwischte das Sherlock Holmes Fieber ja auch in etwa in seinem Alter erstmalig… Und so wurden wir, nach Begeisterung über den Film, von Pietje genötigt jeden Abend mit ihm eine Folge Sherlock zu gucken, bis er mit allen drei Staffeln durch war. Es gibt durchaus schlimmeres, mit dem man seine Zeit verbringen kann ;). Ach ja, wie schön ist es, dass auf den Familiengeschmack immer Verlass ist.
Krafttier Schnecke
Vor einigen Wochen sind bei mir die Hexentiere einer Freundin eingezogen. Ich habe hier darüber berichtet. Bald nun werden mich meine neuen, tierischen Freunde wieder Richtung ihrer eigenen Heimat verlassen. Also ist es an der Zeit ein Resümee zu ziehen. Welche Impressionen haben meine Schneckenfreunde bei mir hinterlassen? Welche Impulse? Welche Ideen? In welchen Aspekten können Schnecken als Krafttiere wirken?
In einer Sache waren die Schnecken und ich uns von Anfang an einig: Sowohl Achatschnecken als auch ich mögen es angenehm abgedunkelt. Und so war auch schnell ein schönes Plätzchen für das Terrarium der Gäste gefunden, denn dunkle Ecken gibt es in meiner Wohnung glücklicherweise sehr viele. Und auch was die Grundnahrungsmittel der Gäste betrifft, war die Versorgung gesichert. Alle Formen von Salat, Kräuter und Gemüse gehören in meiner Küche stets dazu und so musste ich nicht einmal extra einkaufen gehen für meinen Besuch.

Auch die Achatschnecke wird bei meiner Verköstigung zur Salatschnecke
Schnecken sind Zwitter, sie haben keinerlei geschlechtsspezifisches Verhalten. Auch legen sie sich nicht darauf fest, ob sie männlich oder weiblich sind. Dies empfinde ich als äußerst ansprechend und entspannend. Während die menschliche Gesellschaft ständige Debatten darüber führt wer was ist, wer was sein darf und nicht sein darf, wie man seine eigene Sexualität zu benennen hat und wie jegliche Form der Sexualität normativ behandelt werden darf. Ich empfinde solche Debatten als extrem anstrengend und verwirrend. Insofern sind die Schnecken hier wesentlich entspannter. Sie sind einfach wie sie sind.
Die Schnecke ist sich selbst genug. Man kann sie einzeln halten, man kann auch mehrere zusammen halten. Wenn man mehrere Schnecken in einem Terrarium hat, so kann es sein, dass sie sich tagelang nicht begegnen. Denn die Schnecken sind meistens mit den Wesentlichen im Leben befasst, und dafür lassen sie sich viel Zeit. Sie ernähren sich vor allem. Und auch hier können sie manch einem Menschen ein Vorbild sein: Man möge sich Zeit nehmen für die Ernährung. Eben die Zeit, die es braucht. Es ist nicht notwendig seine Mahlzeit in drei Minuten herunter zu schlingen. Niemand nimmt uns etwas weg! Wir können uns Zeit nehmen für unsere Nahrungsaufnahme und sie somit genießen! Ihr merkt es schon: Schnecke entschleunigen. Alleine sie zu beobachten entspannt. Sie sind reduziert auf das absolut Wesentliche. Und wenn sie genug von der Welt hat, dann ziehen sie sich in sich selbst zurück. Ohne wenn und aber. Auch noch so viel zureden und ‚anklopfen‘ bringt da nichts. Sie sind absolut bei sich. Und da soll man sie dann auch lassen! Sowohl die Fähigkeit sich in sich selbst zurückzuziehen und in sich selbst Ruhe und Kraft zu finden, als auch der Aspekt andere einfach ‚bei sich selbst‘ sein zu lassen ist sehr viel wert. Ich bin jemand, der sich regelmäßig in sich selbst zurück zieht und Menschen, die mich nicht so sein lassen, wie ich bin, brauchen an meiner Pforte gar nicht erst anzuklopfen.

Guten Tag! Und: Auf Wiedersehen!
Als Krafttier weist uns die Schnecke darauf hin, dass wir uns die Zeit für die wesentlichen Dinge im Leben nehmen sollten. Zeit für die Ernährung, Zeit zum Schlafen, Zeit für uns selbst. Die Schnecke entschleunigt uns in einer Zeit, in der durch beruflichen Druck, Leistungsdruck und Erfolgsdruck immer mehr Hast und Last in unser Leben kommt. Wenn die Schnecke in Dein Leben kriecht, dann weist sie Dich darauf hin Dir Zeit für Dich zu nehmen. Die einzige Last, die die Schnecke trägt, ist ihr eigener Rückzugsort, ihr Gehäuse. Lass Dich nicht von anderen mit Dingen belasten, die mit Dir selbst gar nichts zu tun haben! Frage Dich: Wann habe ich mir das letzte Mal Zeit nur für mich alleine und meine ureigenen Bedürfnisse genommen? Wann habe ich mir das letzte Mal erlaubt ganz langsam und ruhig in den Tag zu starten, nur nach meinem eigenen Takt?
Übrigens: das Gehäuse der Schnecke bildet sie selbst aus dem Kalk, welchen sie mit der Nahrung aufnimmt. Hier gilt also wieder einmal: Du bist was Du isst!
Wenn Dir da nächste Mal eine Schnecke über den Weg kriecht, dann versuch doch mal einen Moment lang inne zu halten und Dir zu überlegen welche Aspekte die Schnecke für Dich als Krafttier tragen kann. Ich bin neugierig darüber, was Du zu berichten hast!

