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Das grüne Einhorn

Ganzjährige Pilze - so etwas kann man hier in den Wäldern finden.

Ganzjährige Pilze – so etwas kann man hier in den Wäldern finden.

Es ist St. Patrick’s Day. Ich bin in Irland. Die Sonne strahlt vom Himmel. Am Mittag wird es eine Parade zum irischen Feiertag  in Killeshandra geben und wir haben vor die Parade zu besuchen. Allerdings lockt das herrliche und ungewohnte Sonnenwetter uns schon früh hinaus, um Angeln zu gehen. Die Luft riecht frisch, nach Frühling. Obgleich es noch recht kühl ist, bescheren uns die Sonnenstrahlen ein Empfinden von angenehmer, milder Wärme, die den kommenden Frühling kündet. Wir packen unsere Sachen im Wagen zusammen und dann fahren wir rüber nach Killegar, einen kleinen Nachbarort, der für sein jährliches Pilz-Festival bekannt ist. Unser Ziel jedoch sind nicht die Pilze – die man tatsächlich selbst in dieser Jahreszeit dort findet – sondern die fischreichen Gewässer.

Ein grünes Einhorn springt über das Gemäuer. Krafttier des Hauses Kilbracken.

Ein grünes Einhorn springt über das Gemäuer. Krafttier des Hauses Kilbracken.

 

Hier sind wir schon oft unterwegs gewesen. Und dennoch passiert es uns, dass wir im Wald unsere Abfahrt verpassen. Kein Wunder, denn die Pfade hier sind nicht zu vergleichen mit unseren Straßen. Es sind schichte Feldwege, zuweilen umwuchert. Und mit einem Male stehen wir mit dem Wagen vor einem grünen Einhorn. Es galoppiert über die Hofwand des weiten Anwesens, in dessen Hof wir gelandet sind. Wir sind bei der Lady dieser Ländereien gelandet. Neben eines Einhornes hat sie Hunde, die uns fröhlich begrüßten und sich an unserem Wendemanöver erfreuen. Mir aber hätte klar sein müssen: Ein Einhorn am Morgen sorgt für veränderte Pläne zum Tage! Zuweilen betritt man die Anderswelt, ohne es direkt zu merken…

Vom Sturm gefällt und mehrfach geborsten...

Vom Sturm gefällt und mehrfach geborsten…

Unser Ziel ist eine kleine Feenbrücke, die ich sehr liebe. Sie führt uns über den Einlauf des hier liegenden Sees auf eine Wiese, auf der das satte Grün schon jetzt lockt. Von hier aus kann man die Luft und das Fischen genießen. Nachdem wir mit dem Wagen unseren Pfad gefunden haben, folgen wir den gewohnten Wegen. Doch heute bleibt uns der Weg zur Feenbrücke mit dem Wagen versperrt, denn ein beim letzten Sturm geborstener Baum versperrt die Zufahrt.

Einen Moment lang überlegen wir, ob wir hier halten sollen und den letzten Kilometer laufen sollen, doch wir haben zu viel Material mit dabei. Und so machen wir kehrt und lassen uns am Auslauf des gleichen Sees nieder. Die Sonne lockt, das Wasser ist ruhig, die Luft klar. Ein grünes Einhorn galoppiert hinter uns vorbei. Und obgleich ich es merke, ist mir in dem Moment noch nicht klar, dass an diesem Tag noch einige erstaunliche Begegnungen und Orte auf mich warten sollen… Was soll man auch anderes erwarten – auf der Insel der Feen?Windstill und ruhig liegt das Gewässer vor uns.

Windstill und ruhig liegt das Gewässer vor uns.

In meinem nächsten Beitrag berichte ich Euch von einer weiteren, bemerkenswerten Begegnung und lasse Euch wissen, wie der St. Patrick’s Day weiter verlief…

Einhorn2

 

Die grüne Insel

Hinter einer Weide, kurz vor einem See, findet man einen Weg der scheinbar ins Nichts führt. Hier wächst ein natürliches Feentor, ein direkter Zugang zur Anderwelt.

Hinter einer Weide findet man überraschend einen Weg, der scheinbar ins Nichts führt. Hier wächst ein natürliches Feentor, ein direkter Zugang zur Anderwelt.

Draußen auf dem Meer liegt eine Insel, auf der es immer grün ist. Hier scheinen die satten Wiesen –  selbst im Winter – nicht ihre Farbe zu verlieren. Das Eiland ist durchwoben von Flüssen und Seen, die reich an Fischen sind. Auf den Weiden fressen sich Schafe und Kühe satt; die einheimische Bevölkerung ist gastfreundlich und in der Regel erfreulich entspannt. Die Menschen teilen sich seit Jahrtausenden den Lebensraum mit den ortsansässigen  Síde, den Cluricauns und Leprechauns, die hier hausen. Und so verwundert es kaum, dass zuweilen die Bäume selbst in Form von Feentoren wachsen.

Seit 1991 reise ich, zusammen mit meinem Vater, fast jedes Jahr, meistens im beginnenden Frühjahr, nach Irland. Hier habe ich eine zweite Heimat gefunden, hier kann ich regenerieren. Schon der erste Atemzug, wenn ich das Dubliner Flughafengelände verlasse, ist Entspannung pur. Und dann geht es schnurstracks los zum Auto, Gepäck verladen und ab nach Killeshandra, wo ich seit Jahrzehnten die Pubs besuche, Boot fahre, Angeln gehe, Feenorte besuche und die Seele baumeln lasse. Ich erinnere mich noch, als ich das erste Mal hierher kam – vor nunmehr 24 Jahren. Die Fahrt von Dublin nach Killeshandra dauerte gut und gerne vier Stunden und ging über Pfade, die man kaum als Straßen bezeichnen mochte. Orientiert haben wir uns nicht an Straßenschildern, sondern an Wegmarken. Heute erreichen wir unser Ziel mit dem Wagen in weitaus weniger als zwei Stunden. Die Fahrt geht zum Teil über Autobahnen. Doch dann, wenn es in das Herz der grünen Insel geht, wird es urtümlicher, auch auf den Straßen. Der Weg zum Ziel ist – nach all den Jahren – Routine. Und so erreichen wir ein schönes, kleines Haus auf einem Hügel. Erwartet werden wir hier – genauso wie vor 24 Jahren – von Hans, der uns auch gleich mit einem Mahl, bestehend aus unseren Leibspeisen, empfängt. Was kann es schöneres geben? Das Zimmer ist gemacht, der Kamin prasselt, das Essen ist hervorragend und so beginnt der Urlaub auf der grünen Insel hier schon mit der Anreise.

Der 14. März ist ein kühler Tag in Deutschland. Die Schneeglöckchen und ein paar Krokusse haben sich in Berlin bereits gezeigt. Doch als ich in Irland ankomme, da werde ich bereits von blühenden Narzissen begrüßt. Hier riecht die Luft nach Frühling, wenn daheim der Winter das Land noch fest in den Klauen hält.

Noch  kein Frühling - und doch blühen die Narzissen. Der irische Frühling beginnt früh!

Noch kein Frühling – und doch blühen die Narzissen.
Der irische Frühling beginnt früh!

In den nächsten Tagen werde ich Euch an dieser Stelle ein paar Berichte und Bilder aus Irland präsentieren, von der grünen Insel, wo meine Seele ihren Anker hat.

Willkommen in Berlins Anderswelt!

Foto: LiBella Models: Curtis Nike und Rebecca Rubin

Foto ‚Die Sterndeuter‘: LiBella

In der Vergangenheit habe ich bereits an diverser Stelle von der Magie meiner Heimatstadt Berlin berichtet. Hinter den Fassaden der Stadt verbergen sich magische und kraftvolle Orte. Wer es wagt sich einen Schritt abseits der Wege zu stellen, kann Staunenswertes finden. Die Welt der Menschen hinter sich lassen und eintauchen in die Welt der Naturgeister, der Feen und Elfen, dies ist auch in der Großstadt Berlin möglich.

Während die Touristen die Bergmannstraße entlang schlendern, die Düfte der Stadt in sich auf nehmen oder in einem der zahlreichen Restaurants und Cafes einkehren, um sich verwöhnen zu lassen, geschieht im Victoriapark seltsames. Der Wasserfall unterhalb des Schinkel-Denkmals ist versiegt. Einige Berlinbesucher ziehen vorbei, schenken den nun nackten Felsen und Steinen kaum einen Blick. Öde ergießt sich die Schneise des trockenen Wasserfalls ca. 60 Meter in die Tiefe. Im Tümpel schwimmen ein paar Enten. Ein Mann sitzt auf einem Stein und ist in seine Lektüre vertieft. Spaziergänger gehen vorbei, ohne einen Blick hinüber zu werfen in den Schnitt, der zwischen den Welten verläuft.

Foto: LiBella Model und Bearbeitung: Curtis Nike

Foto: LiBella
Model und Bearbeitung: Curtis Nike

Ich ziehe meine Schuhe aus, taste mich mit meinen Zehen über den steinigen Boden, gehe einen Schritt. Vorsichtig. Dann noch einen. Und noch einen. Es ist unangenehm. Es tut weh. Und mit einem Male verwandle ich mich. Eben noch ging ich durch das heiße Berlin, in meinen leichten Sommersachen. Doch nun trage ich ein Gewand, bin eingetaucht in die Anderswelt und fühle mein Herz schlagen. Kraftvoll und intensiv. Das Wasser, es zieht mich an. Sehnsucht durchdringt mich. Sehnsucht nach einem Zu Hause, welches ich hinter mir ließ. Jeder Schritt über die Steine schmerzt. Meine Füße, sie bluten. Sie schmerzen. Dies ist der Preis. Es sind die Füße der kleinen Seejungfrau, die – entbrannt in Liebe – ihr mystisches Wesen eintauschte gegen ein paar blutender Füße, die sich durch die Menschenwelt trugen. Ich schaue zur Sonne hinauf. Hell ist sie, gleißend. Sie ist mir so fremd, dieses feurige, flammende Element. Nie berühren ihre Strahlen den Grund des Meeres. Und genau dort sitze ich, auf einem Fels am Meeresstrand. Zerrissen zwischen der Liebe zu einem Mann, der einer Anderen versprochen ist und der unerfüllbaren Sehnsucht wieder nach Hause zurück kehren zu dürfen. Letztendlich werde ich sterben müssen.

Foto und Bearbeitung: LiBella Model: Curtis Nike

Foto und Bearbeitung: LiBellaModel: Curtis Nike

Oben am Himmel über mir ist der Saturn, zunächst noch verborgen durch das Licht der Sonne. Doch ich spüre seine Präsenz. Er ist der Unheilsbringer, aber ihm zu begegnen bedeutet auch einen Lehrmeister zu finden, der das Leben schmerzlich begleitet. Die kleine Seejungfrau erwacht aus ihren Träumereien. Sie erhebt sich und wird zur selbstbestimmten, kraftvollen Frau, die ihr Leben in die Hand nimmt. Als Priesterin streckt sie sich den Sternen entgegen. Nun ist sie Mittlerin zwischen den Welten, nun ist sie Frau, unabhängig und frei! Die Nacht steigt auf in der Anderswelt, die Sterne beginnen zu glitzern, erfüllen den Himmel. Die kleine Seejungfrau ist Vergangenheit!

Wieviele Minuten sind vergangen? Fünf oder zehn? Eine kleine Träumerei, vielleicht sind es fünfzehn Minuten gewesen? Nein! Drei Stunden waren es! Drei Stunden lang weilte ich in der Anderswelt. Und dann drehe ich mich um. Da steht LiBella, die Fotografin. Da ist meine Freundin, gewandet in ihren Elfenmantel. Vorhin trug sie doch noch eine Hose. Hat sie sich umgezogen? Ich erinnere mich nicht. Einen Moment lang wähnte ich mich in der Anderswelt. Und nun bin ich wieder hier, in der Welt der Menschen. Doch was ist es, was uns stets zurück führt aus den verschlungenen Pfaden der Anderswelt in das Reich der Menschen? Zurück in die Großstadt Berlin? Darauf kann es nur eine Antwort geben: Es sind unsere Verbindungen des Herzens!

Foto: LiBella Models: Curtis Nike und Rebecca Rubin

Foto ‚Verbindungen‘: LiBella

 

 

Rückkehr von der grünen Insel

Ein Blick auf den Friedhof von Monasterboyce

Ein Blick auf den Friedhof von Monasterboyce

Langsam, sehr bedächtig, kehre ich zurück von der Insel der Feen. Zurück von der grünen Insel in die Großstadt Berlin. Dies ist immer wieder ein schwieriger Prozess, denn so lange ich auch im Land der Feen bin, es ist doch stets eine viel zu kurze Zeit!

Drüben lugt hinter den Hochnebeln des Morgens scheu die Sonne hervor und zeigt sich, unterbrochen von Perioden heftigen Regens, der im Nu alles durchnässt. So ist es nun einmal auf der grünen Insel, die ich seit 1991 regelmäßig aufsuche, um dort zu erholen, meine persönlichen Orte aufzusuchen und zu fischen. Dabei ist meine Art der Entspannung sicherlich gewöhnungsbedürftig. Den ganzen Tag über die Seen rudern (ohne Außenbordmotor!), den Anker werfen, angeln und dabei zu lauschen. Dem Wind, den Vögeln, der Natur. Denn man hört weit und breit keine Menschen, keine menschliche Zivilisation. Und dafür nehme ich es in Kauf am frühen Abend – trotz Tee aus der Thermoskanne und Whisky – durchgefroren zu sein. Rudern bringt neue Wärme in den Körper und die Abendstunden werden mit einem guten Buch vor dem Kamin verbracht. Das ist das Irland, welches ich liebe.

Nur noch aus der Ferne zu bewundern, wenn man nicht einen Tagesausflug plant.

Nur noch aus der Ferne zu bewundern, wenn man nicht einen Tagesausflug plant.

Natürlich besuche ich auch den einen oder anderen geschichtsträchtigen Ort – und damit meine ich jetzt nicht allein den Dolmen auf der Kuhwiese nebenan. Leider fand aber hier in Irland in den letzten 22 Jahren eine schleichende Veränderung statt, die mich ein bisschen traurig macht. Während wir 1991 noch mit dem Wagen auf einem kleinen Parkplatz direkt vor Newgrange halten konnten, unseren Eintritt zahlten und ein einheimischer, sehr freundlicher und auch kompetenter Führer uns durch die Anlage führte, auf Fragen antwortete und die kleine Gruppe von Interessenten (von vielleicht 8 Leuten) auch mit kleinen Episoden aus der Mythologie zu unterhalten wusste, so kann ich heute von einem Besuch in Newgrange nur dringend abraten! Der Ort wurde komplett neu gestaltet, schon bei der Anfahrt kamen uns die Reisebusse entgegen und wir wurden durch ein Verkehrsleitsystem auf einen riesigen Parkplatz – sicherlich eine Meile von NG entfernt – geleitet. Von hier aus ging es über einen kleinen Pfad zum komplett neu gestalteten High-Tech Touristenbüro, wo der Eintritt gelatzt werden muss. Mit Bussen wird man dann nach New Grange kutschiert und rumgeführt – wenn man Glück hat! Wenn man jedoch – so wie wir – auf der Durchreise ist, wird es ungemütlich. Die Führungen finden eben nicht dann statt, wenn Interessenten da sind – wie es 1991 noch war – sondern dann, wenn die Uhrzeit stimmt. Dies kann dann auch schon einmal in erst über einer Stunde sein. Eine Begehung des Areals ohne Teilnahme bzw. Zahlung der Führung ist heute nicht mehr möglich. Dabei muß man wissen: Das Areal ist ziemlich groß und weitläufig. Schade.

Der Rundturm von Monasterboyce

Der Rundturm von Monasterboyce

Empfehlen kann ich nach wie vor einen kleinen Ausflug nach Mainistir Bhuithe (Monasterboice). Der Friedhof um den Rundturm und die wunderbaren Hochkreuze haben sich nicht verändert und atmen irisches Flair. Der Ort ist zu finden, wenn man den Karten folgt. Es gibt einen kleinen Parkplatz und auch eine Info-Tafel, aber touristisch verirren sich hier nur einige vereinzelte Individualreisende hin. Das Fotografieren wird geduldet. Es ist ein ruhiger, besinnlicher Ort, der die Geschichte des Landes atmet.

Mit meinem Vater zusammen am großen Hochkreuz.

Mit meinem Vater zusammen am großen Hochkreuz.

Ich freue mich jetzt schon darauf wieder zur grünen Insel zurück zu kehren.